Indem multiple Krisen der Gegenwart soziale Praktiken und Konventionen erodieren lassen, begründen sie den Bedarf gesellschaftlicher Veränderungen. Krisen werden gegenwärtig in der massenmedial hergestellten Öffentlichkeit zum Normalzustand, in dem hektisch nach der richtigen Zukunft des gesellschaftlichen Wandels gesucht wird. Besonders sind gegenwärtige Krisen, weil sie nicht nur latent, sondern wie ein »Visibilisierungsprogramm«[1] erscheinen.
Mit der architektonischen Moderne ist die Nische seit Beginn des 20. Jahrhunderts zusehends aus der Gestalt der Gebäude verschwunden. Der damit einhergehende Bedeutungsverlust der Nische für die Gliederung von Fassaden oder Wänden dürfte wohl die aktuelle Wortverwendung zur Bezeichnung von etwas Randständigem beeinflusst haben.
Fragen nach dem Wie und Wo von Kunst und Kultur in ländlichen Räumen haben Konjunktur. Die ländlichen Künstlerkolonien des 19. und 20. Jahrhunderts galten als Enklaven jenseits bürgerlicher Normen, in denen Kunstschaffende frei von gesellschaftlichen Zwängen arbeiten konnten.
Das Baskenland ist nicht nur eine beliebte Urlaubsregion, sondern auch Zentrum einer regionalen Gastronomie mit weltweitem Ruhm. Allein San Sebastián (baskisch: Donostia) hat eine der weltweit höchsten Dichten an Sternerestaurants – weit vor Metropolen wie London oder New York.
Am 25. Juni 2025 erschien auf der Plattform Rock Paper Shotgun ein Artikel mit dem Titel: »War Thunder player once again leaks classified military documents to win an argument«.[1] Das Erstaunlichste an dieser Schlagzeile ist sicherlich das »once again«. Tatsächlich sind in diesem Sommer nicht zum ersten Mal militärische Verschlusssachen in einem Forum zum Computerspiel War Thunder aufgetaucht.
Es gehört seit jeher zum akademischen Jargon, von einem Orchideenfach zu sprechen, wenn von der Byzantinistik die Rede ist.[1] Hinter der Orchideenmetapher verbirgt sich indes ein gewisser Elitismus, schließlich wird selbst in akademischen Festreden kein Hehl daraus gemacht, dass Byzantinistik ein weitgehend unbekannter Begriff sei, mit dem bestenfalls ein auserlesenes Publikum etwas anzufangen wisse.
Herr Haas, Sie sind Archivrat im Niedersächsischen Landesarchiv. Gemeinhin würde man vermuten, ein Archivar ist sowohl im praktischen als auch im theoretischen Sinne in einer Nische par excellence tätig: Man sitzt in einem Keller, abgeschieden von der Welt und blättert da in verstaubten Akten. Stimmt diese klischeehafte Vorstellung?
Ja und nein. Wenn man auf den Arbeitsmarkt schaut, ist der Beruf schon eine Nische.
Ich weiß nicht, was es heißt,
dass ich manchmal nicht weiß
Wie das mit mir weitergeht, dann fühl ich
Mich plötzlich so allein
Was ist unter dem Begriff »Nische« zu verstehen, warum ziehen Menschen sich in Nischen zurück und welche Funktionen erfüllen Nischen als bewusste Räume – diesen Fragen geht der vorliegende Beitrag nach.
Im Radio des 21. Jahrhunderts sind sie sehr selten geworden: die Nischen. Am ehesten existieren sie im Spät- oder Nachtprogramm. Mitunter am Leben gehalten von Redakteur:innen, die ihrer Pensionierung entgegensehen und denen die Chefetagen deshalb noch ein befristetes Gnadenbrot zubilligen – darauf lauernd, den bald freiwerdenden Sendeplatz mit preiswerten und in ihren Augen zeitgemäßeren Formaten zu füllen.
Meine Freundin B. ist in ein Betreutes Wohnen gezogen. Sie hat die Achtzig überschritten und gerade einen neuen Job angefangen. B. ist körperorientierte Psychotherapeutin, sie hat einen geräumigen, gut bestückten Methodenkoffer im Kopf, sie hat viel Erfahrung und all das ist heute sehr gefragt. Eigentlich braucht sie keine Betreuung, sie brauchte eine kleinere Wohnung. Es wird ihre letzte Wohnung sein, sagt. B., zufrieden, dass ich, ihr erster Gast, sie gut in ihrer neuen Behausung aufgehoben finde: »Das ist jetzt meine Nische!«
Nischen sind soziale Räume, in denen das Andere Platz findet. Sie werden durch vielfältige und oft gegenläufige soziale Praktiken produziert. In diesem Beitrag werden solche Nischen des prekären Lebens zu Zeiten der Weimarer Republik beleuchtet: Straßen, Brücken, Bahnhöfe waren öffentliche Orten, die mittel- und obdachlosen Menschen Rückzugsmöglichkeiten boten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich die Ukraine in einem Zustand umfassender Zerstörung und anhaltender Knappheit. Verwüstete Städte und Dörfer, Wohnungsnot, Nahrungsmangel und fehlende existentielle Lebensgrundlagen waren Teil der alltäglichen Realität von Millionen Menschen. Die Auswirkungen auf den Alltag betrafen alle Bereiche des Daseins, traten jedoch besonders deutlich im Raum der Küche hervor – bescheiden in ihrer Größe, aber bedeutend in ihren Funktionen.
Es hört sich gut an: Spricht jemand davon, sich einzurichten, dann verbinden wir damit Bilder, wie jemand nach eigenen Vorstellungen von Wohnlichkeit und Komfort Räume gestaltet – es klingt nach umsichtiger Planung und Ordnung. Indes beschränkt sich Wohnen nicht darauf, individuellen Erinnerungen, Ideen und Wünschen zu folgen.
Weite Teile der Gesellschaft assoziieren den Begriff »linksradikal« heutzutage unmittelbar mit Steine werfenden, Autos anzündenden Kriminellen. Diese Auffassung wird allerdings weder der Geschichte – auch nicht der jüngsten – noch der Bedeutung des Begriffs gerecht. Tatsächlich diente die Bezeichnung Linksradikalismus als Kofferwort für sehr verschiedene gesellschaftliche Phänomene. So verwendete etwa Lenin, heute quasi die Verkörperung des linken Radikalismus,[1] den Begriff als Schimpfwort gegen seine innerlinken politischen Gegner.[2]
In Nischen entsteht Neues. Damit Innovationen gesellschaftlich wirksam werden können, müssen sie jedoch den Schritt aus dem Experimentalsystem des Abseitigen in den Mainstream vollziehen. Dieses Narrativ ist der Innovationsforschung weitgehend selbstverständlich und prägt Analysen von Technologien und Praktiken wie etwa der Nanotechnologie oder nachhaltiger Energiesysteme.
Am Abend des 30. Oktober 2025 spielten sich im Palais Bourbon, dem Sitz der französischen Nationalversammlung, tumultartige Szenen ab: Empörung und Wutgeschrei auf den Bänken der Linken, Triumphgeheul und feixende Gesichter beim Rassemblement National (RN). Zum ersten Mal in der Geschichte der Fünften Republik war es der rechtsextremen Partei gelungen, einen Antrag durch das Parlament zu bringen – ein veritabler Paukenschlag, der nicht nur Marine Le Pen von einem historischen Tag für ihre Partei sprechen ließ.
»Die Bibel ist voller Geben. Gott ist der Erfinder von Geben. [...] Weißt du, warum Gott das Geben erfunden hat? Damit wir aufblühen. Ich will es dir kurz erklären [...]. Irgendwann kommt [bei Kindern] die Meins-Phase. [...] wir starten auch als göttliche Kinder [...] was unser Geld [...] unser Gehalt angeht. [...] Ist das Gottes Ebenbild? Nein, Gott ist großzügig. [...] Diese Serie ist dazu da, dass wir ausbrechen können [...].«
In der Medizin herrscht auf den ersten Blick ein naturwissenschaftlicher Konsens.[1] Doppelblindstudien sind das Maß, kein Medikament würde ohne eingehende Prüfung auf den Markt kommen und angehende Ärzt:innen müssen ein langes Universitätsstudium absolvieren, um ihre Tätigkeit ausüben zu dürfen. Die Medizin ist allerdings als eine der permanenten menschlichen Prüfung unterzogene Wissenschaft auf das Feedback der Kundschaft und vor allem auf die Vermittlung durch die Ärzt:innenschaft angewiesen.
»Wenn wir anfangen, die Gesellschaft zu stark durch die Diskriminierungsbrille zu betrachten, gefährden wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt. (…) Bestimmte Diskriminierungen sollte man besser dem Privaten überlassen«[1], erklärte Sandra Kostner, Historikerin und Migrationswissen schaftlerin, am 11. April 2025 in der Enquete-Kommission des Berliner Abgeordnetenhauses zu Antisemitismus, Rassismus und sozialem Zusammenhalt.
Ihre universitäre Laufbahn erstreckte sich über fünfzig Jahre, das Interesse an der Entwicklung des Faches haben Sie bis heute nicht verloren. Wie sind Sie zur Politikwissenschaft gekommen, woher rührt Ihr Interesse für das Fach?
Ich war als Schüler politisch interessiert und habe viel gelesen.