Power of Pintxos Kulturerbe, Konvivialität und Kreativität als Faktoren baskischer Identitäts(re)produktion

Von Constantin Alexander

Das Baskenland ist nicht nur eine beliebte Urlaubsregion, sondern auch Zentrum einer regionalen Gastronomie mit weltweitem Ruhm. Allein San Sebastián (baskisch: Donostia) hat eine der weltweit höchsten Dichten an Sternerestaurants – weit vor Metropolen wie London oder New York. Nur im japanischen Kyoto ist die Konzentration noch höher.1 Doch was für Tourismusmarketing in erster Linie als attraktives Alleinstellungsmerkmal gilt, ist eine Manifestation jahrhundertealter Proteste und Kämpfe um regionale politische Autonomie, Ressourcen und die Freiheit, baskische Bräuche und Rituale – kurzum: baskische Identität – öffentlich zu leben. Durch Pintxos – Collagen aus verschiedenen Zutaten aus dem Meer, dem Wald und vom Feld – werden Narrative über Eigenart, Widerstand und sozio-kulturelle Resilienz erfahr- und genießbar. Entwickelt wurden diese kulinarischen Artefakte während der FrancoDiktatur in den halb-legalen Nischen der privaten Küchen und den gastronomischen Gesellschaften, den Txokos (baskisch für Eckchen). Basierend auf jahrhundertealtem Kulturerbe und Traditionen, Neuinterpretationen von identitätsstiftenden Ritualen sowie einer mitunter klassenlosen und immer stärker auch gleichberechtigten Ko-Produktion von Kulinarik und Konvivialität wurde die baskische Gastronomie unter Franco und in den sogenannten bleiernen Jahren nach dessen Tod zu einer wichtigen Nische. Pintxos und Txokos sind heute aus der öffentlichen Erzählung der Region nicht mehr wegzudenken und werden inzwischen durch die regionale Regierung, Bildungseinrichtungen sowie durch tägliche, zum Teil ritualisierte Praktiken gefördert. Sie sind wichtige Elemente der regionalen Eigenart, eines mehrdimensionalen Resonanzerlebens und baskischer Semiotik. Gleichzeitig sind sie Kulminationspunkte von stetig stärker werdenden Protesten gegen die Ausbeutung der Natur, des Raums und der lo Vgl. San Sebastián Turismoa, 1 Restaurants and 1 Michelin Stars in Donostia and Gipuzkoa, tinyurl.com/indes254d.

kalen Kultur selbst: Vor allem der sogenannte Übertourismus ist inzwischen ein stark prägender Faktor der Region geworden. Doch wie kam es, dass sich diese Nischen als konkrete und narrative Orte der kulturellen

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H.4-2025 | ©Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2025