Globuli verstehen Warum die Homöopathie nicht verschwindet

Von Marcel Lemmer

In der Medizin herrscht auf den ersten Blick ein naturwissenschaftlicher Konsens.[1] Doppelblindstudien sind das Maß, kein Medikament würde ohne eingehende Prüfung auf den Markt kommen und angehende Ärzt:innen müssen ein langes Universitätsstudium absolvieren, um ihre Tätigkeit ausüben zu dürfen. Die Medizin ist allerdings als eine der permanenten menschlichen Prüfung unterzogene Wissenschaft auf das Feedback der Kundschaft und vor allem auf die Vermittlung durch die Ärzt:innenschaft angewiesen. Der universitätswissenschaftliche Konsens mag noch so eindeutig sein – auf den Spielwiesen der Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken findet sich indes eine große Pluralität an munteren, alternativ-medizinischen Verfahren zusammen. Von Akupunktur über Osteopathie und Ayurveda bis Naturheilverfahren bilden sie ein gesellschaftlich breit akzeptiertes Gegenangebot. Besonders die im 18. Jahrhundert von Samuel Hahnemann begründete Homöopathie sticht aus diesem Angebot heraus. In einer Allensbach-Umfrage gaben 2023 über sechzig Prozent aller Befragten in Deutschland an, Erfahrung mit Homöopathie gemacht zu haben.[2] Gleichzeitig ist der Diskurs um sie zugespitzt und polarisiert. Wie sich die Homöopathie trotz mangelnder empirischer Beweise als alternativ-medizinisches Nischenverfahren halten kann, habe ich in einer ethnografischen Studie untersucht.

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[1] Vgl. Volker Becker, Der Einbruch der Naturwissenschaft in die Medizin. Gedanken um, mit, über, zu Rudolf Virchow, Berlin & Heidelberg 2008, S. 8.
[2] Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, Allensbacher Kurzbericht: Homöopathie: Nutzung und Wertschätzung in der Bevölkerung, Allensbach 2023, S. 2.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H.4-2025 | ©Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2025