Emanzipativ, avantgardistisch, angefeindet – und verschwunden Die ARD-Jugendradiosendungen der 1970er Jahre

Von Michael Kuhlmann

Im Radio des 21. Jahrhunderts sind sie sehr selten geworden: die Nischen. Am ehesten existieren sie im Spät- oder Nachtprogramm. Mitunter am Leben gehalten von Redakteur:innen, die ihrer Pensionierung entgegensehen und denen die Chefetagen deshalb noch ein befristetes Gnadenbrot zubilligen – darauf lauernd, den bald freiwerdenden Sendeplatz mit preiswerten und in ihren Augen zeitgemäßeren Formaten zu füllen. Vor fünfzig Jahren stellte sich die Szenerie anders dar: In den siebziger Jahren standen die Nischen prominent im Tagesprogramm. Sie wandten sich an die junge Zielgruppe und rückten dennoch in den Blickpunkt einer breiten politischen Öffentlichkeit: als »Pickel im Programmgesicht«[1] oder auch als »Gipfel ordinärster Untergrund-Klassenkampf-Propaganda«[2]

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[1] Pickel im Programmgesicht. Themenheft der Zeitschrift Medium, H. 10/1978.

[2] Hörerbrief von Albert J. aus Neheim-Hüsten an den WDR Köln vom 29.11.1974, WDR Historisches Archiv (künftig: »HA«) 10448.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H.4-2025 | ©Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2025