»Es ging mehr um Macht und Eitelkeiten als um Qualität.« Ein Gespräch mit Roland Sturm über eigene Erfahrungen mit der Politikwissenschaft

Von Roland Sturm

Ihre universitäre Laufbahn erstreckte sich über fünfzig Jahre, das Interesse an der Entwicklung des Faches haben Sie bis heute nicht verloren. Wie sind Sie zur Politikwissenschaft gekommen, woher rührt Ihr Interesse für das Fach? Ich war als Schüler politisch interessiert und habe viel gelesen. Mich hat schon als Jugendlicher die Frage beschäftigt, wie kann es sein, dass das, was ich schlüssig argumentiert in meinen Büchern fand, in der Realität so folgenlos blieb. Es entstand wohl auch daher der Wunsch, als Lehrer der Wahrheit, wie ich sie erlernt hatte, zu mehr Geltung zu verhelfen – zugegeben eine naive Regung. Das Studium – Lehramt Gymnasium – konnte nicht sinnvoll nur ein späteres Schulfach sein. Ich kombinierte das Fach Politikwissenschaft mit den Fächern Anglistik und Geschichte. An der FU Berlin war es dann unmöglich, politischen Kontroversen auszuweichen. Wie war denn das Studium der Politikwissenschaft in Berlin und Heidelberg in den 1970er Jahren aufgebaut? Berlin war für mich als junger Mann, aus einem relativ behüteten Umfeld kommend, mit kultivierten Umgangsformen, Respekt vor Autoritäten und einer katholischen Erziehung, eine fundamentale Herausforderung. Eine pluralistische Grundeinstellung war nicht gefragt. Das Studium am Otto-Suhr-Institut (OSI) wurde durch meine Studiengänge Anglistik und die Anforderungen des Friedrich-Meineke-Instituts (FMI) »geerdet«. In der Politikwissenschaft gab es die Alternativen, »bürgerlich« zu studieren oder »revolutionär« bei den Anhängern der zahlreichen maoistischen, trotzkistischen oder DDR-hörigen Parteivertretern. Bei den meisten

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H.4-2025 | ©Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2025