Radikal nischig Linksradikale zwischen Auf- und Ausbruch am Rande der Gesellschaft
Weite Teile der Gesellschaft assoziieren den Begriff »linksradikal« heutzutage unmittelbar mit Steine werfenden, Autos anzündenden Kriminellen. Diese Auffassung wird allerdings weder der Geschichte – auch nicht der jüngsten – noch der Bedeutung des Begriffs gerecht. Tatsächlich diente die Bezeichnung Linksradikalismus als Kofferwort für sehr verschiedene gesellschaftliche Phänomene. So verwendete etwa Lenin, heute quasi die Verkörperung des linken Radikalismus,1 den Begriff als Schimpfwort gegen seine innerlinken politischen Gegner.2 In der Folgezeit musste er als Sammelbegriff für die unterschiedlichen politischen Strömungen von linken Rand herhalten, die einen Bruch mit der etablierten Ordnung und alternative Konzepte gesellschaftlicher Gestaltung anstreben. Das Spektrum linksradikaler Organisationen und Bewegungen hat im Laufe der Zeit nicht nur inhaltliche, sondern auch quantitative Veränderungen durchlaufen. Noch in der Weimarer Republik war die radikale Linke eine Massenbewegung. Anknüpfend an Traditionen der Arbeiterbewegung des Kaiserreichs bestand sie bereits damals aus verschiedenen Strömungen, die zum Teil nicht nur hunderttausende Mitglieder zählten, sondern zudem in der Lage waren, Millionen Wähler:innen zu mobilisieren.3 Ein halbes Jahrhundert später – in den 1970er Jahren – war das linksalternative Spektrum immer noch ein breites Feld, das mit Spontis, dem DKP-Umfeld und den K-Gruppen einige zehntausend Aktivist:innen umfasste und insbesondere unter jungen Erwachsenen mehrere hunderttausend Sympathisant:innen fand. Eine erfolgreiche Verankerung innerhalb der Arbeiterschaft gelang jedoch nicht mehr. Spätestens das Ende des Realsozialismus, in Deutschland einhergehend mit der Wiedervereinigung, führte in der radikalen Linken zu einer allgemeinen Krisenstimmung und starker Demobilisierung.5 Von diesem Niedergang hat sie sich bis dato nicht erholt. Heute befindet sich die radikale Linke in einer prekären Position. Ihr Mobilisierungspotenzial ist weiterhin gering. So kamen im Jahr 20 zu einer Großdemonstration für inhaftierte Antifaschist:innen, für die
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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H.4-2025 | ©Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2025