Das politische Porträt als Kultbild Zur symbolischen Funktion von Bildnischen
Mit der architektonischen Moderne ist die Nische seit Beginn des 20. Jahrhunderts zusehends aus der Gestalt der Gebäude verschwunden. Der damit einhergehende Bedeutungsverlust der Nische für die Gliederung von Fassaden oder Wänden dürfte wohl die aktuelle Wortverwendung zur Bezeichnung von etwas Randständigem beeinflusst haben. Da aber auch zeitgenössische politische Institutionen häufig in historischen Gebäuden residieren, sind der politischen Repräsentation zahlreiche, mehr oder minder prominente Nischen bis heute erhalten geblieben.
Im historischen Zusammenhang erscheint die Nische – neben ihrer ornamentalen Funktion – vor allem als Bildträger: von der in ihr platzierten Skulptur an der Fassade religiöser Bauten über die Gestaltung von Fensternischen mit Glasmalerei bis zum Ort der Hängung eines Tafelbildes, das mittels dieser architektonischen Rahmung hervorgehoben wird. Die Nische blieb aber nicht bloß als historisches Stilelement politischer Repräsentationsbauten und -räume sichtbar, sie wird mitunter auch zur Ausstellung aktueller Bildwerke genutzt. Die räumliche Vertiefung dient damit paradoxerweise als ein Arrangement, das die Sichtbarkeit erhöht.[1] Es sind wohl auch deshalb vor allem Personenbildnisse, zu deren Hervorhebung die Nische historischer Repräsentationsbauten genutzt wird.
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[1] Siehe dazu die Erläuterungen des Wortgebrauchs in Sprach- ebenso wie die Verbindung mit dem Begriff des Bildträgers in kunsthistorischen Lexika, z.B. im online Lexikon des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, tinyurl.com/indes254b1.
Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H.4-2025 | ©Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2025