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Editorial

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Gunter Gebauer

»Die politische Mission des olympischen Sports ist im Grunde der Kampf gegen den Rassismus« Ein Gespräch mit Gunter Gebauer über sich wandelnde Körperverständnisse, Sport als Selbstzweck, seine politische Dimension und die Notwendigkeit einer neuen Sportethik

Im Gespräch mit INDES unternimmt der Sportsoziologe Gunter Gebauer einen Parforceritt durch historische und aktuelle Facetten der Kulturtechnik Sport. Von Turnvater Jahn bis zu ethischen Fragen der Gegenwart, von der lebensweltlichen Funktionen für den Einzelnen, wandelnde Körperlichkeit bis hin zu Instrumentalisierungen durch die internationale Politik.

Lorenz Peiffer  /  Henry Wahlig

Verehrt, Verfolgt, Vergessen Juden im deutschen Fußball und der lange Weg zur aktiven Erinnerungsarbeit

Welche Rolle spielten Juden in der Gründungsphase des deutschen Fußballs um 1900? Wie wurden sie nach 1933 aus den Vereinsstrukturen herausgedrängt und wie organisierte sich in der Zeit der Verfolgung notgedrungen ein eigenständiger jüdischer Fußball? Lorenz Pfeiffer und Henry Wahlig widmen sich in ihrem Beitrag diesen und anderen Fragen rund um ein in der Fußballnation Deutschland oft verdrängtes Thema.

Maike Cotterell  /  Henning Vöpel

Sport und Ökonomie Ein Ambivalentes Verhältnis

Maike Cotterell und Henning Vöpel beschreiben in ihrem Beitrag das ambivalente Verhältnis der gesellschaftlichen Bereiche Sport und Ökonomie, wobei sie nicht nur kritisch hinterfragen, was die zunehmende Kommerzialisierung der Funktionen und Erscheinungsformen von Sport als einem zentralen gesellschaftlichen Kulturgut für seinen ursprünglichen Anspruch bedeutet, gerade nicht markförmigen Prinzipien zu gehorchen, sondern daran anschließend auch nachdenken über die notwendige Regulierung von Sportmärkten mit ihren teilweise gesellschaftlich nicht mehr zu rechtfertigenden monetären Entgrenzungen etwa in diversen Profisportligen.

Jan Haut

Sport und soziale Ungleichheit Individualisierung, Öffnung und die Bedeutung traditioneller Unterschiede [1]

Spielen Manager Golf und Arbeiter Fußball? Steigt die Sportaktivität mit dem Bildungsgrad? Treiben Männer mehr Sport als Frauen? Sind Migranten in Sportvereinen gleichermaßen vertreten wie »autochthone Deutsche«? Und wenn sich solche Differenzen zeigen: Wie sind sie zu erklären und zu bewerten? Handelt es sich um frei gewählte, individuelle Präferenzen oder um soziale Determinierungen, die dazu führen, dass bestimmte soziale Gruppen beim Zugang zum Sport allgemein benachteiligt bzw. vom Zugang zu spezifischen Formen des Sporttreibens ausgeschlossen werden?

Katja Sabisch

Männerbund Fußball Homosexualität als »tabuisierte Männlichkeit«[1]

Dass es schwule Männer im männerbündischen System Fußball nach wie vor nicht geben darf, schlussfolgert Katja Sabisch aus ihrem analytischen Ins-Verhältnis-Setzen der formal vom DFB zwar geforderter Ächtung von Homophobie im Fußball einerseits und andererseits des durch die mediale Öffentlichkeit hergestellten Problembewusstseins für Homosexualität und Outing vor allem im Profifußball, wofür sie seit Mitte der 1990er Jahre erschienene große Tages- und Wochenzeitungen einer eingehenden Diskursanalyse unterzog. „Tabuisierte Männlichkeit“, so Sabisch, ist ein strukturelles Problem im System Fußball, das durch schwule Outings sogar regelrecht stabilisiert, jedenfalls affirmiert und in seiner Heteronormativität streng geschlossen wird.

Robert Claus

Trainieren für den Tag X Die extreme Rechte und der Kampfsport

In seiner Analyse der rechten Kampfsportszene, die sich gegenwärtig mittels eines brutalen Potpourris diverser Kampfsportarten, den sogenannten Mixed-Martial-Arts (MMA), in Kampfturnieren regelmäßig misst, womit sie sich eigentlich auf den Tag X vorbereitet, stellt Robert Claus eine augenfällige Parallele zum Fitnessboom der Mehrheitsgesellschaft fest, der einer Neoliberalisierung des Gesundheitsbereichs folgt. Hier wie dort geht es um individuelle körperliche Leistungssteigerung. Hier wie da agieren findige Marktakteure, die umsatzstark ihre Produkte an die leistungswilligen Kunden verkaufen wollen. Im Falle der Neonazis reichlich bigott, denn während deren alternative Sportszene cleane abstinente Kämpfer heranzüchten will, die bereit sind für den Tag X, floriert nicht nur auf großen neonazistischen Festivals das Geschäft mit Drogen. Geeint werden sie aber vor allem durch gewalttätige Männlichkeit.

Sven Güldenpfennig

Muhammad Ali Oder: Frage nicht, was Du für Dein Land, sondern was Du für Deinen Sport tun kannst

Anhand der Person Mohammad Ali, geboren als Cassius Marcellus Clay, zeigt Sven Güldenpfennig das emanzipative Potenzial eines Sports auf, der sich gegen seine politische Instrumentalisierung wehrt und im Falle der Boxlegende eben gerade in seiner immanenten Widerständigkeit und seinem ästhetisch-künstlerischen Eigensinn enorme politische Wirkkraft entfalteten konnte.

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