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Editorial

Schwerpunkt

Porträt Elke Endert

Open-Access

Elke Endert

Verstand und Gefühl

Arabischer Frühling, Occupy und S21

Elke Endert nimmt aktuelle Protestereignisse zum Anlass, um ihre These vom Zusammenhang von Verstand und Gefühl zu illustrieren. Sowohl für die Occupy-Proteste als auch für Stuttgart 21 und die Aktivisten des Arabischen Frühling beschreibt sie, wie Rationalität und Emotion als Antrieb des Handelns zusammenwirken. Widerlegt ist damit auch der Glaube, Verstand und Gefühl seien zwangsläufig Gegensätze, die unversöhnlich gegeneinander arbeiteten.

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Porträt Wolfgang Kraushaar

Wolfgang Kraushaar

Prügel, die prägen?

Wie Gewalt bei Großveranstaltungen Biografien formt

Am Beispiel dreier Großveranstaltungen analysiert Wolfgang Kraushaar die biografischen Folgen von Gewalterfahrungen auf »Großveranstaltungen« der Sechziger und Siebziger Jahre. Kraushaar zeichnet dabei die Geburtsstunden der Stadtguerilla ebenso nach wie die Geburtsstunde der Straßenmilitanz; aber er verweist auch auf das Ende der Sponti-Bewegung als Geburtsstunde der Realpolitik. Kraushaar fragt dabei nach den Schlüssen, Ambivalenzen und Kontingenzen jener längst mythisch überhöhten Großveranstaltungen und liefert hiermit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Dynamik von Gewalt und Massen in der Geschichte der Bundesrepublik.

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Porträt Franz Walter

Franz Walter

Mit den Massen von Sieg zu Sieg − in die finale Niederlage

Das kommunistische Fehlkalkül in der Friedensbewegung

Am Beispiel des Krefelder Appells zeigt Franz Walter die Ambivalenzen kommunistischer Mobilisierungserfolge. Aufbauend auf die Bündnis- und Kampagnenstrategie des Organisators und Energiekoloss Willi Münzenberg, scheiterten die kommunistischen Organisatoren des Appells an den trügerischen Dynamiken der Massenmobilisierung. Denn zur paradoxen Dialektik des Mobilisierungserfolges gehört, dass sich an dessen Ende eine eigenständige Bewegung bildet, die mit den ursprünglich kleinen Initiatoren-Zirkeln nichts mehr zu tun hat.

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Porträt Johanna Klatt

Johanna Klatt

Denkpause im Bad der Menge

Von Flashmobs und anderen Jugendprotesten

Johanna Klatt versucht, die gegenwärtige Popularität bestimmter massen-kollektiver Formen gesellschaftlich-politischer Teilhabe (bspw. von Flash-Mobs) zu erklären. Etwa spontane Massenkissenschlachten beleben gerade von Toronto bis Oslo das Bild vieler Innenstädte. Ihr individuell-handhabbarer Charakter, die Möglichkeit, anonym, locker und ungebunden an ihnen teilzunehmen, vielleicht auch gedankenlos einfach Spaß zu haben, scheinen hierbei eine wichtige Rolle zu spielen. Aber sehnen sich vielleicht auch gerade hoch- individualisierte BürgerInnen danach, Erleichterung und Auflösung im »Bad in der Menge« zu finden?

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Porträt Lars Deile

Lars Deile

Fußball feiern

Festkultur im Wandel

Gibt es in einer modernen, individualisierten Gesellschaft überhaupt noch öffentliche Feste? Und welche Rolle spielt jenes gemeinsame Erleben für die Gemeinschaft? Am Beispiel der kollektiven Feiern anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft analysiert Lars Deile die Funktion von Festen in der Gesellschaft, die weit über das Gefühl von Zugehörigkeit hinausgeht.

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Porträt Ilko-Sascha Kowalczuk

Ilko-Sascha Kowalczuk

Massenabweichler

Die Revolution von 1989 in der DDR

Diktatorische Regime haben vor allem eines gemein: Sie wollen nicht als Diktatoren, sondern als bescheidene Werkzeuge eines »überwältigenden Mehrheitswillens« wahrgenommen werden. Doch häufig genug sind solche Mobilisierungsdiktaturen schon mit ihren eigenen Waffen geschlagen worden, schreibt Ilko-Sascha Kowalczuk.

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Porträt Yvonne Niekrenz

Yvonne Niekrenz

Die Ordnung des Exzesses

Kollektiver Rausch im Karneval

Ob bei Rockkonzerten, Fußballweltmeisterschaften oder beim Karneval – Feste aller Art bieten die Möglichkeit zum kollektiven Ausflippen, zur lauten feucht-fröhlichen Heiterkeit, zum hemmungslosen Rausch. Doch dieses scheinbar irrationale Übertreten von Grenzen der gesellschaftlichen Ordnung trägt dazu bei, dass wir diese überhaupt anerkennen. Yvonne Niekrenz über die ordnungsstiftende Bedeutung von Chaos und Exzess.

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Autoren-Porträt

Stine Marg  /  Franz Walter

Kundgebungen gegen das Klassenwahlrecht

Arbeiterprotest im Herbst des Kaiserreichs

Arbeiterprotest im Herbst des Kaiserreichs. Mit diesem Untertitel versehen Stine Marg und Franz Walter ihren Artikel über Kundgebungen gegen das Klassenwahlrecht. Sie beschreiben darin die Macht der Arbeiterschaft als frühe Massenbewegung. Der Protest gegen die kaiserliche Obrigkeit wird als meisterliche Organisationsleistung und kollektives Erlebnis geschildert.

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Porträt Harald Kleinschmidt

Harald Kleinschmidt

Schritte der Anpassung

Warum wir beim Stehen und Gehen militärischem Drill folgen

Paraden, Aufmärsche, Exerzieren. Der militärische Alltag kennt eine Vielzahl ritualisierter Massenveranstaltungen. Bei allen von ihnen stößt man auf besondere Körperhaltungen und Bewegungsformen, das Gehen insbesondere scheint in Form des militärischen Schreitens in besondere Gestalt gepresst. Harald Kleinschmidt geht in seinem Text der Frage nach, wie sich die militärische Form des Gehens und der Fortbewegung ausprägte und warum sie schließlich bis ins 19. Jahrhundert hinein als Standard galt.

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Porträt Thorsten Hasche

Thorsten Hasche

Was von den Protesten übrigblieb

Folgen und Grenzen der Revolte auf dem Tahrir-Platz

Eineinhalb Jahre nach dem Höhepunkt des arabischen Frühlings, dem Sturz des ägyptischen Diktators Mubarak, zieht Thorsten Hasche in seinem Artikel Bilanz über Ursachen und Verknüpfungen der Kettenrevolutionen in der MENA-Region. Hierbei geht Hasche sowohl den transnationalen Dynamiken nach, die zum Ausbruch der Arabellion führten und widmet sich gleichermaßen den Eigenheiten des ägyptischen Falls, ohne die der Sturz Mubaraks nicht vorstellbar wäre.

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Porträt Lars Geiges

Lars Geiges

Im Garten der Bewegung

Die Friedensdemonstrationen im Bonner Hofgarten

Lars Geiges erinnert an die goldene Zeit der Friedensbewegung in den frühen 1980er Jahren. Bemerkenswert an ihren Massenkundgebungen im Bonner Hofgarten sei die Versöhnung scheinbarer Widersprüche: von bunter Vielfalt und rhetorischer Zuspitzung, anarchischer Fröhlichkeit und disziplinierter Geschlossenheit, hoher Emotionalität und allgemeiner Friedfertigkeit. Erreicht worden sei diese Symbiose vermeintlicher Gegensätze durch eine professionelle Organisation der Veranstaltungen seitens politisch erfahrener Köpfe an der Spitze der Bewegung. Nebenbei wird auch die Bedeutung scheinbarer Kleinigkeiten, etwa eines guten Wetters, für den Erfolg von Großdemonstrationen – wie sie die Events der Friedensbewegung im Bonner Hofgarten in den Jahren 1982 und 1983 darstellten – deutlich. Darüber hinaus zeige sich bei der Friedensbewegung exemplarisch sowohl die Bindewirkung eines gemeinsamen Feindbildes als auch die Destruktionskraft, die aus dem Wegfall eines einenden Zieles resultiert, in dessen Folge die internen Differenzen ungehemmt ausbrächen.

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Porträt Roland Hiemann

Roland Hiemann

Olympia auf Steroiden

Nordkoreas Massentanzspektakel »Arirang«

Das Spektakel »Arirang« war die größte Turn- und Artistikshow der Welt. Zwischen 2002 und 2012 inszenierte das nordkoreanische Regime damit eine bildmächtige Erzählung der Geschichte des eigenen Landes, seiner Staatspartei und politischen Führer. Die streng choreografierte Aufführung diente der ideologischen Indoktrination und militärischen Mobilisierung der Bevölkerung. Die Zurschaustellung von artistischer Fitness und einer athletischen Körperkultur der Massen war Teil der planmäßigen Ertüchtigungspolitik in Nordkorea. Im Massentanz- und Gymnastikspektakel »Arirang« spiegelten sich die Größe, die Überlegenheit und das Heldentum der nordkoreanischen Nation, bei der Bevölkerung sollte es den patriotischen Stolz und das kollektive Selbstwertgefühl heben. Und angesichts der desolaten wirtschaftlichen Situation und ungedeckter Grundbedürfnisse in breiten Teilen der nordkoreanischen Gesellschaft verblüfft, welch starke Restbestände von Solidarität des Volkes mit der Machtelite in diesem Fest zum Vorschein kommen.

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Porträt Jack Craver

Jack Craver

Mobilmachung geglückt − Schlacht verloren

Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung im Mittleren Westen

Die Kleinstadt Madison im Mittleren Westen der USA ist ein geschichtsträchtiges Pflaster: Vor vierzig Jahren war sie Ort großer Straßenschlachten, die sich über den Vietnamkrieg und die Rolle der USA darin entzündet haben. Vier Jahrzehnte später ist Madison erneut Schauplatz großer Demonstrationen und hitziger Debatten: Es geht um ein Gesetz, welches die Rolle und Rechte der Gewerkschaften in Ökonomie und Gesellschaft radikal beschneiden soll. Madison ist darüber zu einer Art Stellvertreterschlacht für die zukünftigen Kräfteverhältnisse in der US-amerikanischen Wirtschaft und Öffentlichkeit geworden, bei der Millionensummen in Werbekampagnen investiert werden. Um die Frage, ob öffentliche Institutionen, höhere Löhne und Absicherungen oder ob eine unreglementierte Marktwirtschaft, wenig Beschränkungen und Steuern und ein möglichst schlanker Staat den amerikanischen Traum noch zu stützen vermögen, wird derzeit in einer Kleinstadt im mittleren Westen gekämpft.

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Perspektiven

Porträt Stephan Klecha

Stephan Klecha

Die machtpolitische Versuchung

Das Wahlrecht in der Krise

Das Wahlrecht steckt in einer Krise. Nachdem die jüngste Novelle vom Verfassungsgericht abgeschmettert wurde, steht uns unmittelbar eine neue Reformdebatte ins Haus. Und auch dieses Mal, schreibt Stephan Klecha, werden die Parteien der machtpolitischen Versuchung wohl nicht widerstehen, das Wahlrecht zu ihren Gunsten zu verändern.

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Porträt Robert Lorenz

Robert Lorenz

Lob des Vergessens

Gewerkschaften im Wandel

Das Öffentlichkeitsbild der deutschen Gewerkschaften hat sich gewandelt. Organisationen wie die IG Metall gelten nicht mehr als notorisch inkompetent und verbohrt. Und dennoch: Trotz aller Reformversuche werden Gewerkschaften auch zukünftig wohl nicht in der Lage sein, zu ihrer alten Stärke zurückzufinden. Robert Lorenz über Gewerkschaften im Wandel.

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Porträt José Félix Tezanos

José Félix Tezanos

Ausbruch aus dem Elfenbeinturm

Politik und Wissenschaft müssen sich stärker austauschen

Politik und Wissenschaft müssen sich stärker vernetzen. Akademiker blieben noch zu häufig in ihren Elfenbeintürmen verhaftet, meint José Félix Tezanos. Es sei wichtig, Begegnungs- und Streitorte zu entwickeln, an denen akademische Welt und Sphären konkreter Politik zusammenkommen. Dass es funktionieren kann, bewiesen seine Zeitschriften, die er in Spanien publiziert.

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Porträt Heide Oestreich

Heide Oestreich

Die Quote − ein Elend?

Warum die Frauenquote für die SPD unverzichtbar ist

Die Frauenquote kann nichts gegen Männerbündelei ausrichten, kann nicht die soziale Realität ändern und auch nicht gegen Stereotype ankommen. Und dennoch ist die Frauenquote für Parteien und Politik notwendig, weil sie Partizipation überhaupt erst ermöglicht. Heide Oestreich schreibt darüber, weshalb die Frauenquote für die SPD sogar unverzichtbar ist.

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