Karriere eines Begriffs

Es ist schwer zu leugnen, dass der damalige Leiter des Berliner Spiegel-Büros, Dirk Kurbjuweit, mit seinem Essay über den »Wutbürger« im Oktober 2010 einen Nagel auf dem Kopf traf. Der Begriff vom Wutbürger spannte die Wahrnehmung verschiedener aktueller Protestsorten in der Bundesrepublik zusammen in einem simplen Kompositum, das sofort eine große Karriere machte. Es leuchtete unmittelbar ein, dass den großenteils irrationalen Auftritt großenteils längst ergrauter Steuerzahler gegen den Stuttgarter Bahnhofsneubau »S21« und eine messbare Begeisterung genau solcher Leute für das Pamphlet des Ex-Finanzsenators Thilo Sarrazin etwas verbinden sollte: Hier verteidigte ein Establishment der Eigenheim- und Schurwollmantel-Besitzer seine wohlanständige Pepita-Weltordnung gegen das Establishment der Politiker und Meinungsführer.

Dies schien neu […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012