»Das, was zu sehen ist, ist nur eine Illusion für die Naiven, die Realität spielt sich hinter den Kulissen, in geheimen Hinterzimmern ab. Dort werden die Entscheidungen getroffen […], die der Nation Leid durch Fremde oder die eigenen Leute zufügen. […] Das ist vielleicht die Quintessenz seiner politischen Vision, ein wirkliches Credo: Umso mehr die Existenz einer unsichtbaren Welt sich nicht beweisen lässt, umso wahrscheinlicher wird sie.«[1]

Kaczynski gegen die »Lügeneliten«

Auf diese Weise beschrieben die Journalisten Mariusz Janicki und Wieslaw Wladyka im Oktober 2015 die Weltsicht von Jaroslaw Kaczynski, dem Vorsitzenden der polnischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Sie taten das in der Absicht, ihren Lesern wenige Tage vor der Parlamentswahl zu vergegenwärtigen, was ein Wahlsieg der nationalkonservativen Partei Kaczynskis für Polen bedeuten würde: die Abkehr von »dem berechenbaren Modell der liberalen Demokratie hin zu den Ideen und Obsessionen eines einzigen Menschen«[2].

Genützt haben diese Warnungen bekanntermaßen nicht viel. Seit dem Wahltermin verfügt die PiS als erste Partei in der Geschichte der Dritten Polnischen Republik über eine absolute Mehrheit der Mandate im Sejm. Und obwohl die zurückhaltende Beata Szydlo das Amt der Regierungschefin übernommen hat, sind sich doch alle politischen Beobachter einig, dass Parteigründer Kaczynski der eigentliche Strippenzieher der Regierung sein wird.

Damit spricht einiges dafür, dass Verschwörungstheorien in der polnischen Politik demnächst wieder Hochkonjunktur haben werden. […]

Anmerkungen:

[1] Mariusz Janicki u. Wieslaw Wladyka, Kaczynski: tak – nie, in: Polityka, 20.10.2015.

[2] Ebd.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015