Herr Münker, Sie sind, wie sie schreiben, ein großer Fan und – wie ihr Buch zeigt – intimer Kenner des Internets und seiner Kultur. Kommen wir gleich zum Punkt: Hat das Internet den Intellektuellen auf dem Gewissen?

Nein, ganz bestimmt nicht. Intellektuelle haben als große, herausragende Individuen das 20. Jahrhundert sicherlich entscheidend geprägt. Zunächst: Die Feststellung, dass dies heute nicht mehr so sei, ist offen. Aber selbst wenn die Diagnose zutrifft, so ist die Verdrängung des Intellektuellen weniger auf das Internet als auf die Veränderungen des sozio-kulturellen Umfelds, in dem Intellektuelle agieren, zurückzuführen. Das Internet ist nur ein kleines Puzzleteil.

Lyotard hat in seinem »Grabmal des Intellektuellen«, noch vor dem Siegeszug des Internet, festgestellt, dass sich der klassische Intellektuelle deshalb überlebt habe, weil es diese Rolle des einen Diskurses, den man für alle anderen führen konnte, nicht mehr gebe. Das Auseinanderbrechen der großen Erzählung und das Ende des einen Systems, gegen das man sich stellen konnte, hat dem Intellektuellen das Fundament genommen. […]

Das Interview führten Alexander Hensel und Katharina Rahlf.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 0-2011 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2011