Hausbesetzung lohnt sich Die Hausbesetzerinnenbewegung während der Umbruchszeit 1989/90 in Ost-Berlin

Von Dirk Moldt

Hausbesetzungen sind ein weithin bekanntes Phänomen der urbanen Gesellschaft.  Eine zusammenfassende Geschichte der Hausbesetzerbewegung ist meines Wissens nie erschienen. Sie schreiben zu wollen, droht allein schon an der Schwierigkeit zu scheitern, sie einzugrenzen. Immerhin scheint das Phänomen  inzwischen auch in der seriösen Publizistik und in der Wissenschaft  angekommen zu sein.[1] Haus- und Grundstücksbesetzungen zur eigenen dauerhaften Nutzung gehören zu den vielfältigen Formen der Selbstermächtigung,  des gewaltfreien Inbesitznehmens (abgesehen etwa von unbefugt geöffneten Türen) und der Nutzung fremden Eigentums in friedlichen, also außerhalb von Kriegs- und Revolutionszeiten.[2] Solche Selbstermächtigungen gehören zu den ältesten historischen Konstanten der Menschheit. Dass Politiker, Sicherheitsleute oder die den Tagesgeschäften verpflichteten Medien, vor allem aber Klientelvertreter von Haus- oder Bodeneigentümern genau das Gegenteil glauben zu machen versuchen, indem sie BesetzerInnen kriminalisieren und ihr Wirken jeweils als temporäre Inselereignisse darstellen, ist ein integraler Bestandteil dieser Konstante.  […]

Anmerkungen:

[1] Christine Bartlitz, Die Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain von 1894 bis heute, URL: https://mainzerstrasse.berlin/; Dies. u. a. (Hg.), Traum und Trauma. Die Besetzung und Räumung der Mainzer Straße 1990 in Ost- Berlin, Berlin 2020, i.E.; David Amacher u. a., Wem gehört(e) der Boxi?, URL:https://interaktiv. tagesspiegel.de/lab/wem-gehoert- der-boxi; Toni Grabowsky, Berlin Besetzt. Illustrierte Karte zu Hausbesetzungen in Berlin, URL: http://www.berlin-besetzt.de/ [beide eingesehen am 15.07.2020].
[2] Die Besetzungen während der Friedlichen Revolution 1989/90 werden hier hinzugezählt, obwohl Revolutionszeiten mitunter äußerst gewalttätig verlaufen.

Seite ausdrucken

Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. -2020 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2020