Es war am 5. März 2011, einem Samstag. An diesem Tag gingen in der kleinen oberfränkischen Gemeinde Guttenberg rund 2.000 Menschen auf die Straße, um ihre Sympathien mit Karl-Theodor zu Guttenberg zum Ausdruck zu bringen, der vier Tage zuvor aufgrund einer Plagiatsaffäre als Bundesverteidigungsminister zurückgetreten war. Unter den Teilnehmern war auch Guttenbergs Vater, Enoch zu Guttenberg. In seiner knapp zehnminütigen Rede sprach er von einer »Menschenjagd« auf seinen Sohn. Er habe nicht gedacht, dass so etwas »nach 1945 noch möglich« sei.[1] »Dieser Geifer und Jagdrausch«, so Guttenberg weiter, »macht Angst um das Verbleiben der Mitmenschlichkeit in unserem Land«.[2]

Jagdrausch? 1945? Menschlichkeit? Die Worte aus dem Frühjahr 2011 – nicht nur die Enoch zu Guttenbergs – waren teils drastisch; doch der Vorgang selbst war so außergewöhnlich nicht: Ein Politiker tritt wegen einer Affäre zurück. Der Plagiatsskandal3 um Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt […]

Anmerkungen:

[1] Zit. n. Christoph Albrecht-Heider u. a., Das kurze Band der Sympathie, in: Frankfurter Rundschau, 07.03.2011.

[2] Zit. nach o. V., Guttenbergs Vater wirft Kritikern »Menschenjagd« vor, in: Focus Online, 05.03.2011, URL: http://www.focus.de/politik/deutschland/plagiatsaffaere-guttenbergs-vater-wirft-kritikernmenschenjagd-vor_aid_605903.html [eingesehen am 01. 07. 2013].

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2013 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2013