Spätestens seit dem Erscheinen von Benjamin R. Barbers viel diskutiertem Buch »If Mayors Ruled the World«[1] werden Städte weltweit als die großen Aspiranten zur Lösung globaler Probleme gehandelt. Barbers provokative Zeitdiagnose von »dysfunktionalen Nationen« und »aufsteigenden Städten« ist Teil eines erstarkenden Interesses an der Stadt als Ort des Politischen. Im Unterschied zu der aus Bürgerperspektive oftmals abgehoben erscheinenden Selbstbezüglichkeit der riesigen Hyperadministrationen, in die der Nationalstaat eingeflochten ist, erscheint die Stadt als vergleichsweise wendiges Gebilde mit zahlreichen Rückbindungen an die konkreten Lebensbezüge der Bürger_innen, in dem das, was klassisch das Politische ausmacht, heute mehr denn je gelebt wird. Städte sind allerdings auch als diejenigen politischen Einheiten zu benennen, die einem hohen Problemlösungsdruck ausgesetzt sind: vor allem global induzierte Problemlagen wie der Klimawandel oder die Zunahme von Migrationsbewegungen manifestieren sich hier ganz konkret und fordern Lösungen.

Unter den vielen in den Städten heute zusammenwirkenden Akteurskonstellationen und Strömungen ist es der neue Urbanismus, der im Zentrum unserer Betrachtung steht. Unser Interesse gilt insbesondere der translokal situierten Do-it-yourself-Bewegung. […]

Anmerkungen:

[1] Benjamin R. Barber, If Mayors Ruled the World. Dysfunctional Nations, Rising Cities, New Haven 2013.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 2-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015