Die Digitalwelt hat in den letzten Jahrzehnten große Entwicklungssprünge gemacht, neben technischen Verbesserungen zählt dazu auch ihre Alltagsrolle. Heute sind Computer selbstverständliche Haushaltsgegenstände und auch das Internet gehört zum gebräuchlichen Kommunikations- und Informationsmittel. Das war in den 1990ern noch anders. Wie haben Sie diesen Wandel empfunden, was machte die Faszinationskraft von Computern zu Beginn der Neunziger aus und welchen Einfluss hatte die noch vergleichsweise geringe Verbreitung von Computern auf das Lebensgefühl der Nutzer?

Es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten, dass es sich bei den »Computerfreaks « der 1980er und 1990er um einen elitären Zirkel handelte. Denn im Gegensatz zu heute erforderten die Geräte erhebliche Einarbeitungszeit und intensive Beschäftigung mit Hard- und Software. Beispielsweise musste man sich mit kryptischen Textkommandos und dicken Handbüchern herumschlagen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass die Weihnachtsfeiertage Mitte der 1980er davon überschattet wurden, dass unser frisch erworbener Familien-PC partout keine deutsche Tastaturbelegung zuließ. Erst durch intensives Handbuch-Studium stellte sich heraus, dass sich dies mit der formschönen Anweisung »KEYBGR« korrigieren ließ, die vorzugsweise in der Datei »AUTOEXEC.BAT« unterzubringen war – darauf musste man erstmal kommen. Allein durch solche Schikanen war die Zahl der Nutzer eingeschränkt. Der Informationsbedarf durch Zeitschriften und Bücher war in dieser Vorzeit des Internets entsprechend groß. […]

Das Interview führten Robert Lorenz und Katharina Rahlf.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015