»Ich zog es vor, mich im Griechischen zu vervollkommnen.« Hammer von Purgstalls Konstruktion der Moldau als doppelte Peripherie

Von Hannah Riedler

»Spät abends um zehn Uhr wollte ich auf einem Spaziergang durch die Hauptstrasse der Stadt frische Luft schöpfen. Ich ging einige hundert Schritte […], als mir gegen das Ende derselben das tausendstimmige Conzert quakender Frösche und Kröten entgegen scholl. Hier näherte ich mich also den Sümpfen, welche die Luft von Jassy mit Fiebern verpesten, und ich kehrte sogleich um, meinen Spaziergang […] in entgegen gesetzter Richtung fortsetzend. Als ich […] einige hundert weiter gegangen, tönte mir auch von dieser Seite dasselbe Tutti von Fröschen und Kröten entgegen: also auch Sümpfe von dieser wie von der anderen Seite. Ich kehrte sogleich nach Hause, niedergeschlagen durch solchen Bewillkomm der mit Sümpfen umgebenen Stadt.«[1]

Im Frühling 1806 erreichte der später berühmte Orientalist und erste Präsident der Akademie der Wissenschaften in Wien, Josef Freiherr von Hammer-Purgstall, Iaşi (Jassy), die Hauptstadt der Moldau. Der gerade einmal 32-Jährige war kürzlich zum habsburgischen Konsularagenten im unter osmanischer Herrschaft stehenden Fürstentum ernannt worden.

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[1] Hammer schaffte es zu Lebzeiten nicht, seine zwischen 1841 und 1852 geschriebenen Memoiren, die beinahe 6000 handgeschriebene Seiten umfassten, zu veröffentlichen. Reinhart Bachofen von Echt, der dies 1940 schließlich tat, kürzte und redigierte das Original stark. Siehe: Josef Freiherr Hammer von Purgstall, Erinnerungen aus meinem Leben. 1774–1852, in: Fontes rerum Austriacum. Österreichische Geschichtsquellen – Zweite Abteilung: Diplomaria et acta, 70. Bd., Wien & Leipzig 1940. Der Teil der Memoiren, der sich mit dem Moldau-Aufenthalt befasst, wurde von Konrad Petrovszky erneut transkribiert. Auf diese Transkription stützt sich der vorliegende Text weitgehend. Siehe: Konrad Petrovszky, La mission diplomatique de Joseph von Hammer à Jassy. Édition d’une source méconnue, in: Revue des Études sud-est européennes, H. 1–4/2018, 255–288.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H.2-3-2025 | ©Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2025