Sie sind da – überall. Unzweifelhaft angekommen im urbanen Jetzt vertrauter Umgebungen. In all ihrer visuellen Pracht wanken die Massen Untoter durch Straßenschluchten, Vorgärten und Schlafzimmer. Nicht mehr das verlassene Haus im Wald[1] oder eine abgelegene Insel[2] stellen den Handlungsrahmen des filmischen Geschehens dar, sondern die moderne Zivilisation selbst.

The Walking Dead (TWD) illustriert dabei eine Zombie-Apokalypse, die ganz im Heute, in der Welt, wie wir sie kennen, angekommen ist. Die Bedeutung des Genres hat sich gewandelt, »denn es geht nicht mehr um allegorisierte Kämpfe zwischen Bevölkerungsteilen, Minderheiten und Klassen, sondern um den Kampf des Prinzips der Sicherheit und der Kontrolle gegen alle, gegen jede Störung, egal, von wem.« »Gute Zombiefilme«, so der Kulturwissenschaftler Diedrich Diederichsen weiter – und dasselbe gilt für Serien –, »zeigen eindrucksvoll, was eine Logik der Feindschaft und des Ausnahmezustands aus den Leuten macht.«[3] All diese Topoi sind eingebunden in ein diffuses Bedrohungsszenario globalen Ursprungs und Ausmaßes. […]

Anmerkungen:

[1] »Night of the Living Dead«, Regie: George A. Romero, USA 1968.

[2] »White Zombie«, Regie: Victor Halperin, USA 1932.

[3] Diedrich Diedrichsen, Blut, Schlamm und Barbecue, in: Zeit Online, online einsehbar unter http://www.zeit.de/2007/35/Irak-Allegorien/komplettansicht [eingesehen am 25. 09. 2014].

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2014 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2014