Fernsehserien als Teil der Alltagskultur sind bereits seit geraumer Zeit Gegenstand diverser Untersuchungen.[1] Spätestens seit der Einführung des US-amerikanischen Kabelfernsehsenders HBO mit seinen viel gerühmten und als Qualitätsprodukte[3] etikettierten Prime-Time-Serien ist die ehemals als banales Unterhaltungsprodukt geltende Fernsehserie salonfähig geworden. Wer etwas auf sich hält, kennt sie, die neuen, ›angesagten‹, meist aus den USA stammenden Serien, die mittlerweile als »Fernsehserien-ohne-Fernsehen«[3] immer häufiger auch online rezipiert werden. Unabhängig vom Rezeptionskanal dienen Serien dabei nicht ausschließlich der Zerstreuung und Belustigung der Rezipient_innen. Mittlerweile als fester Bestandteil unserer Alltagskultur anerkannt, sind Serien somit Orte, an denen gesellschaftspolitische Themen verhandelt und Anstöße für Anschlussdiskussionen gegeben werden. Dennoch verlaufen die Mechanismen der Serienselektion meist unbewusst ab und lassen sich nur schwerlich empirisch greifbar machen. »If you figure it out, please let me know«[4], lautet die Standardantwort amerikanischer Serienproduzenten auf die Frage, was denn nun eine Serie für das Publikum interessant gestalte. Die etwas ironische Replik der Serienmacher verweist dabei auf zentrale Fragen im Zusammenhang mit der Rezeptionsforschung zu Politikserien, denen sich dieser Beitrag ausführlicher zuwendet. Wer schaut die so genannten ›Politikserien‹ und aus welchen Gründen? Welches Bild des ›Politikmachens‹ wird von den Rezipient_innen in den Serien wahrgenommen? Welche Relevanz haben diese Medienprodukte nicht nur für die einzelnen Zuschauer_innen, sondern auch gesamtgesellschaftlich? Und gibt es darüber hinaus ein spezifisches ›Politikserienpublikum‹, das sich sowohl mittels soziodemografischer Merkmale als auch anhand gemeinsam geteilter Deutungspraktiken beschreiben lässt? […]

Anmerkungen:

[1] Vgl. u. a. Karin Knop, Comedy in Serie: Medienwissenschaftliche Perspektiven auf ein TV-Format, Bielefeld 2007; Knuth Hickethier, Dispositiv Fernsehen. Skizze eines Modells, in: montage/av, Jg. 4 (1995) H. 1, S. 63–83; Dorothy Hobson, Crossroads: The drama of a soap opera, London 1982.

[2] Vgl. Andreas Jahn-Sudmann u. Alexander Starre, Die Experimente des »Quality TV«. Innovation und Metamedialität in neueren amerikanischen Serien, in: Susanne Eichner u. a. (Hg.), Transnationale Serienkultur, Wiesbaden 2013, S. 103–119.

[3] Annekatrin Bock, Fernsehserienrezeption, Produktion, Vermarktung und Rezeption US-amerikanischer Prime Time Serien, Wiesbaden 2013, S. 41.

[4] Todd Gitlin, Inside Prime Time, New York 2000, S. 21.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2014 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2014