Menschen wollen im Extremsport nicht nur sich selbst als handlungskräftige Akteure erleben und beeindrucken. Sie wollen auch von ihren Mitmenschen als einzigartige Personen wahrgenommen werden. In komplexen Gesellschaften sind Bemühungen dieser Art erwartbar, weil Personen ihre Individualität permanent zu beweisen haben. Wurde die vormoderne Identität noch maßgeblich durch die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stand geprägt, dessen Handlungsorientierungen und Werte der Einzelne passgenau zu verkörpern und zu reproduzieren hatte, erfolgt die moderne Identitätsarbeit vornehmlich auf der Grundlage von Abgrenzung und Distinktion. Selbstverwirklichung und Grenzgängertum sind zu Kampfformeln geworden, anhand derer individualisierte Akteure ihrer Subjektivität die Möglichkeit geben, Besonderheit auszudrücken und die Angst zu kontern, sozial nicht beachtet zu werden. Individualität und Einzigartigkeit als kulturelle Leitorientierungen sind somit Konsequenzen sozialstruktureller Veränderungen, die Menschen aus vormaligen Bindungen freigesetzt haben und die in zunehmender Weise zur demonstrativen Selbstgestaltung auffordern.

Der individuelle Lebenslauf wird, weil er so und nicht anders verläuft, zum Fixpunkt, an dem das Subjekt sich in seinen Eigenheiten sichtbar machen und Besonderheit beweisenkann. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012