Umfassende politische Theorien und Lehren unterliegen seit geraumer Zeit einer erheblichen Relativierung. Ungefähr seit den 1970er Jahren sehen sich die auf je eigene Weise emanzipatorischen »Erzählungen« des Liberalismus und des Sozialismus, dann aber auch die des Modernismus und der Aufklärung, einer durch die Vorsilbe »Post« angezeigten Entwertung ausgesetzt: »Postliberalismus«, »Postsozialismus«, »Postmodernismus«, »Postsäkularismus«. Im Unterschied zu Theorien der »Postdemokratie«, bei denen reale westliche Demokratien mittels einer weiterhin als gültig erachteten Theorie starker bürgerlicher Partizipation kritisiert werden, soll das »Post« bei den anderen Theorien anzeigen, dass die Alttheorien ihre Zeit nicht mehr auf den Begriff bringen können und ihre Deutungshoheit verloren haben.

Merkwürdigerweise scheint der Konservatismus von solchen Veränderungen nicht betroffen zu sein; zumindest ist das Wort »Postkonservatismus« im akademischen Diskurs bislang noch nicht etabliert. Diese Resistenz hängt womöglich mit der Eigenart konservativer Theorien zusammen – sofern man hier überhaupt von Theorien im engeren Sinne sprechen kann.

Ein Blick in Programme der ihrem Selbstverständnis zufolge konservativen Parteien bestätigt zunächst, dass sich nicht ohne Weiteres eine klare Agenda des Konservatismus ausmachen lässt. […]

Seite ausdrucken Beitrag bestellen

Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015