Im Urteil vieler Zeitgenossen zählen Sie beide selbst zu dem – im Vergleich zu früheren Jahren – inzwischen relativ kleinen Kreis ernstzunehmender konservativer öffentlicher Intellektueller. Widersprechen Sie dieser Fremdzuschreibung?

Münkler: Ich fühle mich nicht als konservativ. Diese Zuschreibung hat vielleicht etwas mit MünklerWatch zu tun. Es mag auch durchaus sein, dass ich manche konservative Neigung habe. Ich würde mich aber nicht einen Konservativen nennen.

Nolte: Bei mir ist das etwas anders. Ich habe mich ja selber einmal so genannt, in einer Phase, als ich auf der Suche nach meiner eigenen politischen Identität war. Ich muss aber zugeben, dass ich damals in diese Bezeichnung »neokonservativ« etwas naiv hineingestolpert bin. Die mit diesem Begriff üblicherweise assoziierte Bedeutung ist ja, dass es sich bei dem Neokonservativen sozusagen um einen besonders schlimmen Konservativen handelt. Ich dagegen hatte einen Konservatismus im Sinn, der sich der Moderne anpasst und versucht, eine Innovationsschwelle zu überschreiten, vor der der alte Konservatismus noch steht. Inzwischen sehe ich mich als linkskonservativen Liberalen, als Liberalen, der manchmal konservative Neigungen hat.

Was heißt denn heute überhaupt noch »konservativ sein«; meint das eine Idee oder, mit Andreas Rödder, eher eine Haltung?

Münkler: Der Begriff des »Konservativen« hat schon immer etwas Schillerndes gehabt […]

Das Interview führten Leona Koch und Matthias Micus.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015