»Politik heißt: etwas wollen.«[1] Diese Aussage klingt zunächst einmal inhaltsleer und nichtssagend. Indessen kommt ihr in einer Ära, in der Politik weniger als Gestaltung der Zukunft und mehr als Verwaltung von Zuständen verstanden wird, womöglich größere Bedeutung zu. Sie erinnert an den Entscheidungsspielraum wie an die Wertgebundenheit politischen Handelns. Beachtet man darüber hinaus den historischen und politischen Kontext der Aussage, so erhält sie in Form und Inhalt sehr wohl Konturen. Aufmerksamkeit verdient dabei selbstverständlich in erster Linie die Person, die den Satz geprägt hat: Olof Palme[2], der frühere schwedische Ministerpräsident, der in Deutschland meist nur im Zusammenhang seiner Ermordung in Erinnerung gerufen wird. Doch hier soll es nicht um neueste Deutungen des noch immer ungeklärten Attentats gehen. Ganz im Gegenteil, spielt dieses im Folgenden keine Rolle. Im Zentrum stehen vielmehr die Ideen und die Praxis eines demokratischen Sozialisten, wie Palme ihn verkörpert hat. […]

Anmerkungen:

[1] Olof Palme, Politik heißt: etwas wollen (1964), in: Freimut Duve (Hg.), Olof Palme. »Er rührte an die Herzen der Menschen«. Reden und Texte, Reinbek 1986, S. 52–57, hier S. 52.

[2] In deutscher Sprache liegt lediglich eine ausführliche Biografie vor: Henrik Berggren, Olof Palme. Vor uns liegen wunderbare Tage. Die Biographie, München 2011. In schwedischer Sprache findet man hingegen eine Fülle von Lebensbeschreibungen; die ausführlichste und neueste Gesamtdarstellung ist: Kjell Östberg, I takt med tiden: Olof Palme 1927–1969, Stockholm 2008; Ders., När vinden vände: Olof Palme 1969–1986, Stockholm 2009. Eine kürzere Biografie findet man in: Klas Eklund, Palme, Stockholm 2010. Die vorliegende Abhandlung stützt sich bei der Beschreibung und den Daten auf diese drei genannten Werke.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015