Der Liberalismus ist nicht nur die erfolgreichste politische Theorie, sondern auch die einflussreichste soziale Bewegung der Neuzeit.[1] Trotzdem wurde und wird in der politischen Praxis und der politischen Ideengeschichte die Frage, ob auf dem Liberalismus eine gerechte und stabile Gesellschaftsordnung gegründet werden kann, immer wieder neu gestellt. In historischer Perspektive variieren die relevanten Gegner – der Sozialismus, Marxismus oder antiliberales konservatives Denken[2] –, ebenso der Modus der Kritik. Besonders herausgefordert werden liberale Gesellschaftsordnungen durch das Aufzeigen ihrer immanenten Widersprüche und Dysfunktionalitäten. Im Folgenden sollen die Fragen, ob gerechte und stabile liberale Gesellschaftsordnungen existieren können und welcher sozioökonomischen und soziomoralischen Voraussetzungen sie bedürfen, von unterschiedlicher Warte aus betrachtet werden. […]

Anmerkungen:

[1] Für eine historisch kontextualisierte Einführung vgl. Edmund Fawcett, Liberalism. The Life of an Idea, Princeton 2014.

[2] Siehe Stephen Holmes, The Anatomy of Antiliberalism, Harvard 1996.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 2-2016 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2016