»In dem guten Heim herrschen Gleichheit, Fürsorglichkeit, Zusammenarbeit, Hilfsbereitschaft. Angewandt auf das große Volk- und Mitbürgerheim würde dies das Niederreißen von allen sozialen und ökonomischen Schranken bedeuten, die gegenwärtig die Mitbürger in Privilegierte und Benachteiligte, in Herrschende und Abhängige, in Reiche und Arme, in Begüterte und Verarmte, Plündernde und Ausgeplünderte trennen.«[1]

Jahrzehntelang blickte die europäische Linke gebannt und erstaunt an die nordeuropäische Peripherie, wo eine sozialdemokratische Partei die Symbiose von Land und Sozialdemokratie so erfolgreich zu verkörpern schien wie keine andere in den westlichen Industriestaaten. Eine Reise nach Schweden galt lange Zeit als Fahrt in ein beispielloses sozialdemokratisches Musterland. Die Erfolge, die vielen Sozialdemokraten in ihren Heimatstaaten versagt blieben, sahen sie im modernen, egalitären und wirtschaftlich erfolgreichen Schweden verwirklicht. Fast immer, wenn Reformdebatten über Gleichstellung, Bildungsreformen und Integration aufflammen, richtet sich der Blick auch heute noch auf die nordischen Länder im Allgemeinen und auf Schweden im Speziellen. Dort sieht der ausländische Beobachter – so zumindest der stets wiederkehrende Tenor – das Leitbild einer gerechten und harmonischen Gesellschaft, eines umfassenden, sicheren Wohlfahrtsstaats verwirklicht, den realgewordenen Anspruch, dass eine bessere Welt möglich ist, kurz: eine erstrebenswerte Utopie.[2] […]

Anmerkungen:

[1] Per Albin Hansson, schwedischer Ministerpräsident in den 1930er und 1940er Jahren, in seiner »Volksheimrede«, zit. nach Hans Dahlqvist, Folkhemsbegreppet: Rudolf Kjellén vs Per Albin Hansson, in: Historisk Tidskrift, H. 3/2002, S. 445–465, hier S. 459.

[2] Vgl. Jenny Andersson, Nordic Nostalgia and Nordic Light. The Swedish model as Utopia 1930–2007, in: Scandinavian Journal of History, Jg. 34 (2009) H. 3, S. 229–245.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 2-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012