Manche Regionen erscheinen resistenter gegenüber Modernisierung und gesellschaftlichem Wandel als andere. Kulturell, politisch und konfessionell sind sie auch dann noch von Konstanz und Kontinuität geprägt, wenn auf diesen Feldern die Indizien der Zeitenwende bereits unübersehbar sind. Sie haben offenkundig so etwas wie eine (Selbst-)Imprägnierung entwickelt, die sie gegenüber Neuerungen – im Guten wie im Schlechten – weniger empfindlich bzw. empfänglich macht. In solchen Räumen erhält sich etwas, das wir als »beharrliche Milieus« bezeichnen wollen. Damit sind regionale Strukturen oder Gesellschaftsformationen gemeint, die mächtigen Globalisierungsschüben und tiefgreifenden gesellschaftlichen Diversifizierungen zum Trotz die Zeit – meist Jahrzehnte, teils auch Jahrhunderte – mindestens in gewichtigen Teilen in altbekannter Gestalt überdauert haben; und die mit ihrer formativen Kraft den sie umschließenden Regionen ein Gesicht verleihen, das diese stark vom bundesrepublikanischen Durchschnitt sowie von vergleichbaren Gemeinden und Kommunen andernorts unterscheidet.

Die Voraussetzungen für dergleichen Beständigkeiten scheinen jedenfalls grundsätzlich heute noch immer gegeben zu sein. Milieus müssen, wollen sie langfristig Bestand haben, immer auch gallische Dörfer sein – binnenfixiert, in sich gekehrt, selbstreferenziell, in jedem Fall scharf getrennt von ihrer Umgebung. Sie brauchen gewissermaßen die Distinktion, die Abschottung und durchaus auch den Druck einer bedrohlich anmutenden Außenwelt, um sich ihrer selbst gewahr zu werden, den Zusammenhalt aufrechtzuerhalten, ihre Mitglieder zu mobilisieren und affektiv zu binden.[1] Drei solcher Orte werden im Folgenden inspiziert. […]

Anmerkungen:

[1] Dies galt in besonderem Maße für das sozialdemokratische Milieu im späten 19. Jahrhundert, darüber hinaus aber auch für Milieus unterschiedlichster Fasson; vgl. allgemein Franz Walter u. Peter Lösche, Katholiken, Konservative und Liberale. Milieus und Lebenswelten bürgerlicher Parteien in Deutschland während des 20. Jahrhunderts, in: Geschichte und Gesellschaft, Jg. 26 (2000), H. 3, S. 471–492.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H.&1nbsp;-2017 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2017