Es sollte der letzte große runde Geburtstag der DDR werden: die Dezennienfeier des Jahres 1979[1], in der sich die DDR, nun schon zum dritten Mal nach 1959 und 1969, »immer wieder symbolisch und propagandistisch neu [gebar]«[2]. Mit dem gewöhnlichen Pomp – Festtribüne mit internationalen Gästen aus den Bruderstaaten, Festumzüge und inzwischen auch die obligatorischen Militärparaden, wochenlangen Jubelarien im Vorfeld des Geburtstags im Neuen Deutschland und anderswo – feierte die DDR ein letztes Mal ganz offensiv, »ästhetisiert und aufgeführt« als »Geburtstagsfest« die Wiederkehr ihrer zum Mythos verklärten »reinen Geburt«.[3] Ein letztes Mal, wie sich herausstellen sollte, schlossen »Herrschende wie ›Beherrschte‹ […] gewissermaßen für weitere zehn Jahre einen gegenseitigen ›Beistandspakt‹ […], der durch die Festivitäten beglaubigt würde«; wodurch, so die Vorstellung der Machthaber, »unterschiedliche Berufe und Schichten, vor allem aber die nachwachsenden Generationen eingebunden werden« sollten.[4]

Doch gerade jener Beistandspakt, das soll der vorliegende Text zeigen, war längst hohl geworden in einem Land, das sich seit 1979 in der Wiederholung des immer Gleichen übte – dies gilt für die fortan sich wiederholenden Inszenierungen des Jahrestages ebenso wie etwa für den Oberliga-Fußball in der DDR. Das Jahr 1979 eröffnete der Tabellenführer BFC Dynamo Berlin mit 21:1 Punkten und schloss die Saison 1978/79 als DDR-Meister ab – ein Bild, das sich bis zum Ende der SED-Herrschaft nicht mehr verändern sollte. […]

Anmerkungen:

[1] Zur Vierzigjahrfeier verzichtete die Parteiführung hingegen schon auf die Geburtstagsrhetorik, zudem standen bei den Demonstrationen zum vierzigsten Jahrestag »die Volkspolizisten nicht freundlich grüßend, sondern knüppelnd ›Spalier‹«; Monika Gibas u. Rainer Gries, Die Inszenierung des sozialistischen Deutschland. Geschichte und Dramaturgie der Dezennienfeiern in der DDR, in: Dies. (Hg.), Wiedergeburten. Zur Geschichte der runden Jahrestage der DDR, Leipzig 1999, S. 11–40, hier S. 11.

[2] Ebd., S. 33.

[3] Ebd.

[4] Ebd., S. 36.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2016 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2016