Warum 1979? Zunächst einmal spricht vieles dagegen, überhaupt von einem Jahr auszugehen. Historische Umbrüche halten sich nicht an Kalenderblätter. Große Veränderungen vollziehen sich vielmehr längerfristig, und auch die Wucht von epochalen Ereignissen wird erst in langen Linien deutlich. Der Blick auf ein Jahr hat zudem immer etwas Kontingentes. Schreiben wir nicht eine ganz andere Geschichte, wenn wir stattdessen 1981 oder 1972 wählen?

Wer einzelne Jahre zum Ausgangspunkt nimmt, sollte methodische Fragen daher nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bisherige Bücher mit Jahreszahlen im Titel haben unterschiedliche Zugänge gewählt. Einige beschränkten sich auf die thematische Komposition von Begebenheiten in diesem Jahr, um anschaulich und pointiert in die Zeit einzuführen (wie Ian Burumas »1945« oder Florian Illies’ »1913«); andere durchschritten die Jahrzehnte zuvor, um bestimmte Ereignisse in einem Jahr zu erklären (wie Georg Schilds »1983« oder Christian Caryls »1979«). Gewinnbringend ist dieser Blick jedoch vor allem, wenn so das Zusammenspiel von differenten Veränderungen interpretiert wird. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2016 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2016