Bei der Integration von Menschen unterschiedlicher ethnischer oder religiöser Herkunft werden zwei Modelle unterschieden, der französische Republikanismus und der britische oder niederländische Multikulturalismus. Aber nicht erst seit dem Attentat auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo gelten beide als gescheitert.[1] Während französische Soziologen inzwischen einen »gemäßigten Multikulturalismus« oder Interkulturalismus propagieren, erklärt Premierminister Manuel Valls, Multikulturalismus führe nicht zu Integration, sondern zu Ghettobildung und Pluralisierung von Identitätsvorstellungen, die mit dem Ideal der einen, unteilbaren Republik Frankreich unvereinbar seien. Die islamistischen Attentate der letzten zehn Jahre verweisen aber nicht nur auf kulturelle, sondern vor allem auf soziale Probleme. […]

Anmerkungen:

[1] Vgl. das Interview von Alex Rühle mit dem französischen Terrorismus- und Rassismusforscher Michel Wieviorka, Eine emanzipatorische Katastrophe?, in: Süddeutsche Zeitung, 19.01.2015.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015