2008 wurde Island zum Sündenbock der internationalen Finanzkrise, als drei der wichtigsten Banken innerhalb nur einer Woche im Herbst des Jahres zusammenbrachen. Dieses kleine Land wurde als ein verantwortungsloser Staat dargestellt, der seine Pflichten nicht erfülle. In den Jahren vor dem Crash war Island in den Medien dagegen noch als ein wahres ökonomisches Wunder gefeiert worden. In Islands neuer Generation von »Business-Wikingern« wurden die Rockstars der globalen finanzbasierten Wirtschaft gesehen – die dann mit ihren Handlungen die Grundfesten des europäischen Finanzsystems zum Wanken brachten. Jetzt allerdings, weitere vier Jahre später, ist Island mit im europäischen Vergleich überdurchschnittlichem Wachstum und unterdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit wieder auf dem Weg der Erholung. Einer der wichtigsten Meilensteine auf diesem Weg der ökonomischen Wiedergenesung ist der in der Krise eingeleitete Überarbeitungsprozess der Verfassung. Er verkörpert einen wesentlichen Bestandteil des »imaginierten Aufschwungs«. Allerdings lud die Frage nach einer »neuen Ordnung« diesen Prozess politisch auf […]

Seite ausdrucken Beitrag bestellen

Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2013 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2013