Herr Dr. Pawelzik, Sie sind bekennender »Burnout-Skeptiker«. Warum?

Glaubt man den medialen Botschaften der letzten Jahre, so leben wir in einer furchtbaren Gesellschaft: Wir arbeiten uns krank! Wir sind gehalten, immer größeren, immer dichteren und vor allem ständig gegenwärtigen Arbeitsanforderungen zu genügen. Folge dieser Situation ist, so wird suggeriert, eine Epidemie arbeitsbedingter chronischer Erschöpfung, die man neuerdings »Burnout« nennt.
Bei dem Versuch, diese Behauptungen nachzuvollziehen, stimmen mich unter anderem die folgenden Beobachtungen skeptisch: Erstens, wir arbeiten heute weniger als Vorläufergenerationen, haben mehr Freizeit und Urlaubsanspruch, genießen mehr sozialstaatliche Unterstützung und leben nachweislich immer länger. Zweitens, ich kenne Leute, die sehr viel arbeiten, sich zudem bei jeder Gelegenheit noch mehr aufladen und zugleich vor Vitalität strotzen. Dem gegenüber leiden allerdings auch Rentner, Sportler, Arbeitslose oder Eltern heute an »Burnout«. Es dürfte deshalb nicht allein an der Menge oder der Art der Arbeit, sondern an der Interaktion zwischen Subjekt und Arbeitssituation liegen, die zu einem »Burnout« im Sinne anhaltender Erschöpfung führen mag. »Burnout« ist kein […]

Das Interview führten Matthias Micus und Katharina Rahlf.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2013 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2013