Die Niederlande galten in Deutschland lange Zeit als tolerantes und progressives Land, dessen besonnene und vernünftige Einwohner zivilisiert miteinander umgingen und in dem das so genannte Poldermodell – die harmonische Zusammenarbeit von Regierung, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen – als ideale Verwaltungsform hoch im Kurs stand. Bis Anfang dieses Jahrhunderts kennzeichnete das Land ein großes und außergewöhnlich stabiles Vertrauen in die Politik.[1] Dieses Bild änderte sich radikal im Jahr 2002, dem Jahr des rasanten Aufstiegs des Rechtspopulisten Pim Fortuyn, seiner Ermordung und des Erfolgs seiner Partei, der LPF (Liste Pim Fortuyn). Zwei Jahre später folgte ein weiterer politischer Mord, begangen am Regisseur Theo van Gogh, während die LPF von anderen rechtspopulistischen Parteien abgelöst wurde, zunächst von der Partei »Stolz auf die Niederlande« (Trots op Nederland, TON) von Rita Verdonk und schließlich von der Partei der Freiheit (Partij voor de Vrijheid, PVV) von Geert Wilders.

In dieser parteipolitisch turbulenten Zeit machte sich vielerorts ein Gefühl des Unbehagens breit. […]

Anmerkungen:

[1] Vgl. Russell J. Dalton, Democratic challenges, democratic choices, Oxford 2004.

Seite ausdrucken Beitrag bestellen

Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012