Berlin-Friedrichsfelde, Januar 2011, zehntausende Menschen gedenken im eisigen Berliner Wind der Ermordung von Rosa Luxemburg. Viele der zumeist älteren Anwesenden wirken dabei so betroffen, als trauerten sie um einen Menschen, der erst wenige Tage zuvor verstorben ist. Doch auf dem Weg zur S-Bahn kreisen die Gespräche der Trauernden vor allem um das Hier und Jetzt: Gesine Lötzsch, aktuelle Vorsitzende der Partei, mit der die allermeisten hier sympathisieren, hat sich ein paar Tage zuvor in einer Rede über die »Wege zum Kommunismus« ausgelassen. Nun steht sie am Pranger – kritisiert von denen, die schon beim bloßen Wort »Kommunismus« allen Furor zusammensammeln, dessen sie auf die Schnelle habhaft werden können. Kritisiert aber auch von denen, die finden, dass man mit historisch besetzten Begriffen nicht so naiv operieren darf, wie sie das getan hat. Karl Marx, der wusste, wie unheilvoll es sein kann, von unberufenen Jüngern zur Autorität verklärt zu werden, hätte den Lötzsch’schen »Kommunismus«-Begriff jedenfalls mutmaßlich mit dem Bonmot »Je ne suis pas marxiste« kommentiert.

Für die Senioren passen jedoch beide Schicksale bestens zusammen. […]

Der zweite Teil der Debatte stammt von Robert Lorenz und Matthias Micus.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012