Intellektuelle rufen wieder nach Krieg. Was 1914 keinen überraschte, ist beinahe hundert Jahre später zur unerhörten Begebenheit geworden. Eine doppelte Merkwürdigkeit fällt dabei auf: Intellektuellengeschichtlich ist es erstaunlich genug, dass öffentliche Symbolfi guren aus der nach 1945 zwangspazifizierten intellektuellen Szene des Westens eine militärische Intervention in einem Bürgerkrieg auch dann verlangen, wenn sie weder die lokalen Kräfte noch die Gesellschaftsstrukturen noch die Konsequenzen einschätzen können. Verblüffender noch ist der publizistisch sorgsam gehegte und gepflegte Glaube, es seien die intellektuellen Wortführer, die Staatenlenker dazu bringen, von militärischen Doktrinen geleitete, von taktischen und strategischen Notwendigkeiten beherrschte, finanziell höchst kostspielige Großorganisationen in Bewegung zu setzen. Dem, der es glauben und verkünden wollte, wurde die intellektuelle Selbstinszenierung zur außenpolitischen Wahrheit. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 0-2011 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2011