Tödliche Schüsse im Nobelrestaurant Das Attentat des Sozialdemokraten Friedrich Adler

Von Franz Walter

»Links und Gewaltanwendung schließt sich gegenseitig aus.«[1] Dieses Statement gab der sozialdemokratische Kanzlerkandidat Martin Schulz nach dem G-20-Gipfel im Juli 2017 in Hamburg ab, als ihn ein Reporter des ZDF auf die Krawalle im »Schanzenviertel« der Hansestadt ansprach. In den Tagen danach sprang ihm sein Stellvertreter im Parteivorsitz, Ralf Stegner, durch allerlei Twitter-Botschaften und Zeitungskommentare bei: »Gewalt ist nicht links«, denn »Links-Sein bedeutet«, so Stegner, gegen Gewalt »zu streiten«.[2] Wohlweislich pochte der Mann aus Schleswig-Holstein zugleich darauf, dass er »Links-Sein« allein dem Spektrum des demokratischen Sozialismus, nur der politischen Repräsentanz der sozialen Demokratie zubilligte.

Akzeptierte man diese einschränkende Verortung veritablen Links-Seins, dann schien auch die Folgerung von Schulz und Stegner nicht abwegig. Denn wer konnte sich schon die Sozialdemokraten, wie man sie in der Bundesrepublik kennengelernt hatte, mit militantem Gepäck auf einer Barrikade vorstellen? Wer dächte an Erich Ollenhauer, Helmut Schmidt, Kurt Beck oder eben Martin Schulz, wenn von Traditionen marodierenden Aufruhrs die Rede gewesen wäre? Nur: Die Geschichte der sozialen Demokratie begann nicht mit Ollenhauer, auch nicht mit Otto Wels oder Friedrich Ebert, sondern schon ein bisschen früher, nämlich mit dem das tödliche Pistolenduell ohne große Skrupel einfordernden Ferdinand Lassalle. […]

Anmerkungen

[1] Martin Schulz im Interview mit Bettina Schausten, in: Berlin direkt, 09.07.2017, URL: https://www.zdf.de/politik/berlin-direkt/berlin-direkt-clip-4–158.html [eingesehen am 16.11.2017].
[2] Ralf Stegner, Gewalt ist nicht links, in: Frankfurter Rundschau, 17.07.2017.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2017 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2018