Lord Voldemort ist der Antagonist des Zauberschülers Harry Potter in den gleichnamigen Romanen von Joanne K. Rowling sowie deren Filmadaptionen. Obwohl der einst mächtige dunkle Magier in den ersten Teilen der Reihe allgemein für tot gehalten wird, traut sich niemand, seinen Namen auszusprechen. Zu groß ist die Angst, ihn dadurch wieder heraufzubeschwören. Stattdessen wispert man furchtsam: »er, dessen Name nicht genannt werden darf«.

Unlängst war der schöne Vergleich zu lesen, die Große Koalition sei der Lord Voldemort des Wahlkampfs: Das Bündnis, dessen Name nicht genannt werden darf, bringen weder CDU- noch SPD-Politiker vor dem Wahltag über die Lippen.[1] Nicht etwa, weil eine Zusammenarbeit der Volksparteien schwarze Magie wäre, sondern weil unter ihren Anhängern die Hoffnung auf schwarz-rote Regierungsmagie nicht sehr verbreitet ist; und weil das Reden über sie also demobilisierend wirken und so am Ende just das Bündnis hervorbringen kann, das man tunlichst hat vermeiden wollen. Wenn schon dem Anfang einer schwarz-roten oder rot-schwarzen Behelfslösung kein Zauber innewohnt, so gilt dies umso mehr für ihre unfreiwillige Wiederauflage. Während Lord Voldemort die Unsterblichkeit anstrebte, sinnt die GroKo auf ihre eigene Liquidierung. Dennoch droht sie unsterblich zu werden. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2016 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2017