Im Frankreich der Zwischenkriegszeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg formierte sich zu Beginn der 1930er Jahre eine neue Generation junger engagierter Intellektueller und gesellschaftspolitischer Aktivisten, die vor dem Hintergrund des erstarkenden Nationalsozialismus im Deutschen Reich, des Faschismus in Italien und des Sowjetkommunismus in der Sowjetunion das parlamentarische Frankreich der Dritten Republik als schwach, krisenhaft sowie décadent (»dekadent«) empfanden und dessen Ende herbeisehnten. Es handelte sich um eine ursprünglich sehr heterogene Gruppe von Persönlichkeiten sehr diverser Herkünfte, Werdegänge und tradierter politischer Standorte; um eine junge Protestgeneration, deren Generationskohorte den Nullerjahren, zentriert um den Jahrgang 1905, angehörte und in den historisch schwierigen Zeiten um 1930 etwa 25 Jahre alt war.

Eine neue Ordnung jenseits von links und rechts

Diese Protestgeneration diagnostizierte für Frankreich eine »crise de civilisation« »Zivilisationskrise« und wandte sich entschieden gegen das, was der Philosoph und Vertreter des Personalismus Emmanuel Mounier »le désordre établi«, die »etablierte Unordnung«, nannte. Zum désordre établi, mit dem Mounier und seine Generationsgenossen brechen wollten, zählten sie den französischen Parlamentarismus der Dritten Republik, den gesellschaftlichen Individualismus, den liberalen Kapitalismus und Materialismus und auch den Faschismus und Kommunismus. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2016 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2016