Als im Jahr 2014 eine New Yorker Trendagentur in einem recht kurzen, aber reich bebilderten Essay Normcore zum neuen Trend erklärte, war die Verwunderung groß. Anpassung und Normalität sollten cool sein, möglichst unauffällige Kleidung zu tragen gar der letzte Schrei? Das erschien so paradox, dass zunächst einmal geklärt werden musste, ob das nun wirklich ein neuer (Mode-)Trend sein könne oder, womöglich, nur ein Witz.[1] Vertreter der Marketingagentur KHole, die als Schöpfer dieses Trends gelten, erläuterten derweil, dass es dabei keineswegs nur um Mode ginge, sondern um eine Geisteshaltung – darum, »situationally appropriate« zu sein.[2]

»Dafür« als neues »Dagegen«?

Normcore oder Acting basic wurde als Reaktion auf das vermeintlich problematische Phänomen des »Mass Indie« gedeutet: Versuchen alle möglichst individuell zu sein, sind am Ende doch wieder alle gleich. Heute könne sich nun genau derjenige abheben, der nicht mehr versucht, sich abzuheben: »Having mastered difference, the truly cool attempt is to master sameness.« Wenn nun offenbar junge, trendbewusste Urbanites nach Anpassung streben, dann überrascht nicht die Frage, wie es denn um den jugendlichen Nonkonformismus stehe, der sich bislang als zentrales Erzählprinzip durch die Beschreibung junger Generationen gezogen hat. […]

Anmerkungen:

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2016 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2016