Für Karl Mannheim, den großen Weimarer Analytiker des Konservatismus, war die Sache klar: Denkstile sind an soziale Schichten gekoppelt und der Konservatismus im Besonderen wird von jenen getragen, die in den großen Prozessen der aufklärerischen Rationalisierung der Welt und des industriellen Wandels im 19. Jahrhundert auf der Verliererseite stehen: allen voran der Adel, daneben aber auch Bauern und kleinbürgerliche Handwerker. Bürgertum und Arbeiterschaft sind dagegen Träger der gesellschaftlichen Umbrüche und der revolutionären Veränderung – auch wenn Mannheim durchaus sah, dass das »proletarische Denken« auf vielen Ebenen eine Affinität zum Konservatismus besaß.[1]

Panajotis Kondylis geht in seiner Analyse weiter: Für ihn ist der Konservatismus im engsten Sinne eine Adelsideologie zur Abwehr absolutistischer Ansprüche von Königen, die er in der Frühen Neuzeit verortet. Diese Ideologie verliert mit dem Untergang der adeligen Welt im 19. Jahrhundert an Bedeutung. […]

Anmerkungen:

[1] Vgl. Karl Mannheim, Konservatismus. Ein Beitrag zur Soziologie des Wissens, Frankfurt 1984, S. 83–91.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015