Manifest der Bewegung

Der »Ruf der Jungen« gilt als eines der frühesten Traktate jenes radikalen Nachkriegskonservatismus, der im Verlauf eines Jahrzehnts die Republik von Weimar intellektuell aushöhlte. 1920 im Leipziger R.F. Koehler-Verlag erschienen und ein Jahr später erneut nachgedruckt, lieferte Max Hildebert Boehms Schrift einer politischen Bewegung den Namen und gab ihr die Leitideen an die Hand. »Wir brauchen scharfe Worte der Kritik an der niedergehenden Generation und an der Gegenwart, für die sie verantwortlich ist«, lautete die Maxime eines sich revolutionär gebenden Jungkonservatismus.[1] Wie wenige andere Texte brachte der »Ruf der Jungen« das Lebensgefühl und die Haltung einer Generation von politischen Intellektuellen zum Ausdruck, die in der Zeit nach 1919 den Liberalismus und Parlamentarismus als erstarrt, überaltert, leblos und mechanisch deklarierten.

Die junge Demokratie von Weimar, von Beginn an durch den Versailler Vertrag belastet, bot die Grundlage für einen bewusst gesuchten Generationenkonflikt. Wer jung war oder sich zur Jugend bekannte, der wollte bürgerliche, vermeintlich überalterte Formen des Politischen hinter sich lassen. […]

Anmerkungen:

[1] Max Hildebert Boehm, Ruf der Jungen, Leipzig 1920, S. 21.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015