Die Nacht hat sich über Mexiko City gelegt, als Tommie Smith und John Carlos ihr gewöhnliches Leben aufgeben. Es ist der 16. Oktober 1968, im olympischen Finale über 200 Meter haben die amerikanischen Läufer Gold und Bronze gewonnen. Nun stehen sie auf dem Siegerpodest, in schwarzen Socken, ausgeleuchtet von Scheinwerfern. Tommie Smith und John Carlos
senken ihre Köpfe, recken jeweils eine Faust nach oben, eingehüllt in schwarze Handschuhe, das Symbol der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Für Smith und Carlos ist es eine Rebellion gegen Rassismus – für die Wächter Olympias ist es ein Affront. Ihr Grundgesetz, die Olympische Charta, verbietet politische oder religiöse Botschaften an Sportstätten. Die Läufer müssen am selben Abend das Olympische Dorf verlassen. Zurück in den USA werden sie mit Hass überzogen, mit Morddrohungen. 16 Jahre sollen vergehen, ehe Smith und Carlos bei den Sommerspielen in Los Angeles rehabilitiert werden.

Wie politisch darf Sport sein, wie politisch muss Sport sein? Funktionäre aus Verbänden und Vereinen predigen politische Neutralität, doch nicht selten missachten sie ihre eigene Geschäftsgrundlage. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012