Die Vorgeschichte der Wisconsin-Proteste

»Der Geist galt für vierzig Jahre als verloren, aber nun ist er zurückgekehrt« – so rief ein Studentenführer der Universität Wisconsin in einer Vollversammlung seinen Kommilitonen zu, die sich an einem kalten Februartag im Jahr 2011 versammelt hatten.

Vierzig Jahre waren seit den Massenprotesten in Madison vergangen. Damals hatte in der freundlichen mittelgroßen Stadt im Mittleren Westen der USA ein linkes Mitglied des Stadtrats den Vorschlag eingebracht, den Namen einer Straße in »Ho Chi Min Trail« umzubenennen. Vier junge Männer deponierten eine Bombe im Army Math Research Center der Universität und ein junger Physiker wurde getötet. Die daraufhin ausgebrochenen Unruhen in Madison während des Vietnamkriegs wurden später in dem 1979 entstandenen Dokumentarfilm mit dem Titel The War at Home festgehalten.

Vierzig Jahre später marschierten tausende amerikanischer Studenten durch die Straßen von Madison, umringten das Wisconsin State Capital und protestierten gegen einen anderen Krieg in der Heimat. Sie gesellten sich damit zu hunderttausenden von Demonstranten – jung und alt –, die sich am Capitol versammelt hatten und an einer der größten amerikanischen Gewerkschaftsdemonstrationen der vergangenen Jahrzehnte teilnahmen. Dieses Mal, so empfanden sie es, war ein »Anschlag« auf die eigenen Leute verübt worden. In ihrer Schlacht engagierten sie sich für die Verteidigung der amerikanischen Mittelklasse […]

Übersetzung: Paru Fiona Ludszuweit

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012