Schwärme, Herden, Kolonien – Tiere treten nicht selten in großen Massen auf. Die Faszination ergibt sich aus der Ästhetik des Anblicks – der Gleichförmigkeit der Bewegung, der Auflösung des Einzelnen in der Masse, der scheinbaren Zielgerichtetheit. Ein Verhalten, welches den Tieren vor allem Schutz und Sicherheit bietet, bei der Aufzucht der Nachkommen, der Jagd, im täglichen Überleben; ein Verhalten auch, dass zumeist vor allem eines ist: rational und effizient. Dies Effizienz und Rationalität nutzt die Architektur, die Ingenieurswissenschaft, die Verhaltensforschung – das Wort von der Schwarmintelligenz ist in aller Munde.

Aber wie intelligent ist der menschliche Schwarm? Gewiss, er ist in der Lage, sich in Fußgängerzonen, an Verengungen und Weggabelungen, einigermaßen rational und effizient zu handeln. Aber darüber hinaus? Menschliche Massen verhalten sich selten von Anfang bis Ende rational. Wo unbekannte Individuen gemeinsam agieren, entwickeln sich Eigendynamiken, die nicht immer kontrollierbar sind: Die Gegenparts zu Masse sind nicht selten Panik, Chaos, entfesselte Gewalt. Die Bebilderung der aktuellen Ausgabe der INDES setzt mancher menschlichen Unordnung, Überhitzung oder Irrationalität kollektiven Verhaltens die vermeintliche Ordnung der Natur entgegen. Mögliche komplementäre Assoziationen liegen indes im Auge des Betrachters.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012