In den eineinhalb Jahren seit dem Sturz des mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilten ehemaligen ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak ist zu Recht viel über die Besonderheiten, ja sogar die welthistorische Bedeutung derjenigen Ereignisse geschrieben worden, die bis dato unter dem Begriff des »Arabischen Frühlings« zusammengefasst werden und untrennbar mit den Bildern der Massenproteste auf dem Kairoer Tahrir-Platz verbunden sind. Aus länderübergreifender Sicht zeigt sich die große Bedeutung der großflächigen Proteste darin, dass ungeachtet der weiterhin unübersichtlichen Lage in Syrien und der unterdrückten Protestbewegungen in Bahrain, neben Hosni Mubarak mit Zine el-Abidine Ben Ali (Tunesien), Muammar al-Gaddafi (Libyen) und Ali Abdullah Salih (Jemen) bereits drei weitere Diktatoren ihren Posten – und im Falle Gaddafis auch ihr Leben – verloren haben. Die große Menge an erschlossenen Quellen und veröffentlichten Materialien zum »Arabischen Frühling« ermöglicht sowohl immer detailliertere Auseinandersetzungen mit den Ursachen und Wirkungen dieses Phänomens als auch die Etablierung größerer Deutungszusammenhänge. Dieser Aufsatz nähert sich den Geschehnissen in der MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika) aus einer transnationalen Perspektive. Er widmet sich den länderübergreifenden Faktoren und Dynamiken, die die weitreichenden Massenproteste von Tunesien bis Bahrain ausgelöst und damit den Sturz der Diktatoren und den weitreichenden Umbau zahlreicher politischer Systeme ermöglicht haben. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012