Das Bestreben, Städte in dieser oder jener Hinsicht miteinander zu vergleichen, hat in der öffentlichen Diskussion seit geraumer Zeit Konjunktur. In regelmäßigen Abständen präsentieren Meinungsforschungsinstitute,  privatwirtschaftliche Unternehmen oder auflagenstarke Magazine neue Ranglisten, die Städte hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Status, ihrer Lebensqualität oder ihres Innovationspotenzials ins Verhältnis setzen. Zugleich mehren sich in jüngerer Zeit die kritischen Stimmen, die die bisweilen dünne oder undurchsichtige Datenbasis derartiger Ranglisten problematisieren und den Einsatz differenzierterer methodischer Verfahren anmahnen. Und auch in der politischen Praxis wird oft und gerne verglichen: Der Verweis auf andere Städte dient der Identifikation von (vermeintlichen) Modelllösungen für urbane Problemlagen, der Legitimierung von schmerzhaften Einschnitten, dem Herausstreichen eigener politischer Erfolge oder der Beanspruchung individueller Züge im globalen Wettbewerb der urbanen Ballungsräume. Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Bemühungen, Städte zu vergleichen und besser vergleichbar zu machen, erscheint es lohnend, die Logik des Städtevergleichs jenseits methodischer Ausbuchstabierungen in grundlegender Weise in den Blick zu nehmen: Was verraten die gegenwärtigen Formen des Städtevergleichs über die Art und Weise, wie über Urbanität gedacht wird? Wozu dienen Städtevergleiche und welche Wirkmächtigkeit kann ihnen zugeschrieben werden? Lassen sich Städtevergleiche als eine soziale Praxis begreifen, die anderes und mehr erzeugt als eine gleichsam neutrale Gegenüberstellung von Städten? […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 2-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015