Utopien und Visionen werden gerne als Motoren der Weiterentwicklung von Architektur und Städtebau verstanden. Seit Jahrhunderten haben Utopisten ihre Vision von der idealen Stadt und von idealen Lebensbedingungen niedergeschrieben. Der Ausarbeitungsgrad der Utopien war dabei sehr verschieden: Einige sind sehr umfassend – mit detaillierten Beschreibungen von Architektur und Städtebau sowie gesellschaftlichen Regeln und Gesetzen –, wie etwa Étienne Cabets gut 500 Seiten umfassender Roman »Reise nach Ikarien« von 1840. Andere Autoren halten sich hingegen kurz und bieten dadurch große Interpretationsspielräume. So ist die utopische Cité Industrielle von Tony Garnier in über hundert Zeichnungen festgehalten, die textliche Beschreibung des Stadtentwurfes, und damit auch die Hinweise auf die vorgesehene gesellschaftliche Ordnung, sind jedoch nur wenige Seiten lang.[1]

Fast alle Utopien ähneln sich darin, dass sie sich als Kritik an den bestehenden Städten, den vorhandenen gesellschaftlichen Machtverhältnissen und Lebensbedingungen verstehen. Stadtutopien sind […]

Anmerkungen:

[1] Einigkeit besteht in der Forschung heute darüber, dass Tony Garnier sich mit seiner Vision der Cité Industrielle auf den 1901 erschienen Roman »Arbeit« von Émile Zola bezieht, der wiederum die gesellschaftliche Utopie, auf die sich somit auch Garnier bezieht, beschreibt.

Seite ausdrucken Beitrag bestellen

Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 2-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012