Es war ursprünglich eigentlich nur so eine Idee, fast eine Flause im Kopf, die vielleicht sogar in erster Linie nur mit meiner Sentimentalität gegenüber dem »Roten Wien« der zwanziger Jahre zu tun hat, also gegenüber jener sozialreformerischen Politik, die die österreichische Sozialdemokratie in den zwanziger Jahren entfaltete. Zur Erinnerung: Damals kontrollierte die Linke die Bundeshauptstadt, aber Österreich als Ganzes war konservativ. Die Hauptstadt war eine progressive Insel. Also wollte die Sozialdemokratie Wien zu einer Modellstadt mit exemplarischem Charakter entwickeln. Das Ergebnis waren ambitionierte Reformprojekte: Sozialer Wohnbau, die berühmten Gemeindebauten, teils von den avanciertesten Architekten der Zeit errichtet (sie fehlen heute in keinem Reiseführer), massive Vermögenssteuern, ein weitverzweigtes Vereinswesen, das so etwas wie ein »neues Leben« etablieren wollte, der Ausbau eines großartigen Gesundheitswesens, Bildungspolitik, die auch weit in das ambivalente Feld der »Volkserziehung« hineinreichte, mit Arbeiterbibliotheken, Arbeiterhochschulen, Volkshochschulen.

Eine der bedeutendsten Institutionen dieser Zeit war die Volkshochschule Ottakring. In der seinerzeitig »Volksheim Ottakring« genannten Institution haben führende progressive Wissenschaftler ihrer Zeit […]

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