Es ist schon erstaunlich, wie stark sich die Außen- und Binnenwahrnehmung unterscheiden. Knapp zwei Drittel der Deutschen würden gerne in Frankreich leben und arbeiten und nahezu achtzig Prozent wollen ihre Ferien bei unseren Nachbarn verbringen. Gerade letzteres passt gut zusammen mit der Wahrnehmung der Franzosen als »genießerisch«, »verführerisch«, »charmant« und »kreativ«.[1] Das Selbstbild der Franzosen sieht im Januar 2013 jedoch völlig anders aus. Nicht als Lebenskünstler oder Gourmets nehmen sie sich wahr, vielmehr ist die Stimmung auf der anderen Seite des Rheins derzeit an einem Tiefpunkt angelangt. Ein Fünftel der Franzosen sieht sich selbst als Versager; Misstrauen, Missmut und Überdruss sind die meist genannten Empfindungen, wenn es um den état d’esprit im Januar 2013 geht.[2] Doch woher rührt diese Gefühlslage?

Gesellschaftliche Fehlentwicklungen in Frankreich werden seit Mitte der 1990er Jahre […]

Anmerkungen:

[1] Radio France u. a. (Hg.), L’Allemagne et nous, URL: http://download.www.arte.tv/permanent/u1/traite_elysee/enquete.pdf [eingesehen am 05. 02. 2012].

[2] Diese und alle folgenden statistischen Angaben beziehen sich auf: Ipsos/CGI Business, France 2013 les nouvelles fractures, Januar 2013, URL: http://www.ipsos.fr/ipsospublic-affairs/actualites/2013-01-24-france-2013-nouvellesfractures; TNS Sofres, Le Barométre politique, Figaro Magazine, Dezember 2012, URL: http://www.tns-sofres.com/points-de-vue/3864184A605A482880121A72ED3ED321.aspx; Cevipof, Baromètre de la confiance politique, Vague 4, Dezember 2012, URL: http://www.cevipof.com/fr/le-barometre-de-la-confiancepolitique-du-cevipof/les-resultatsvague-4-janvier-2013/ [alle eingesehen am 05. 02. 2013].

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2013 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2013