Intellektuelle in der Politik – da steigen in der bundesrepublikanischen Erinnerung unweigerlich Bilder der späten sechziger und frühen siebziger Jahre auf: Hat es nicht damals, quer durch die Parteien, brillante intellektuelle Köpfe gegeben, die Schreibtisch und Denksessel des Professors hinter sich ließen, um sich in das politische Getümmel zu stürzen, und die trotzdem originell und widerborstig blieben? Schwarzweiß und wie im Weichzeichner sieht man Horst Ehmke vor sich, der für Willy Brandt das Kanzleramt in eine moderne Managementzentrale verwandelte; Werner Maihofer, den kunstsinnigen Strafrechtler als Innenminister; und Kurt Biedenkopf, der nach brillanter akademischer Frühkarriere Helmut Kohl half, die CDU der siebziger Jahre an veränderte Realitäten heranzuführen. Sicher neigt der Blick in die Vergangenheit oft zur Verklärung. Kann man diese drei zum Zeitpunkt ihres Seitenwechsels bereits als »Intellektuelle« bezeichnen – oder handelte es sich nicht eher um Professoren, die ihre strahlende intellektuelle Aura erst im Laufe vieler Jahrzehnte, gestählt durch unzählige Podiumsdiskussionen, Op-Ed-Beiträge und fortgesetztes Grenzgängertum erwarben?

Wie viel hat sich also wirklich verändert – ist die Distanz der Intellektuellen zur Politik größer geworden? […]

Der zweite Teil der INDES-Kontroverse ist eine Kritik an politischen Intellektuellen aus der Feder Konrad Paul Liessmanns.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 0-2011 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2011