Die Fünfundvierziger sind zurück. Ein gutes Jahrzehnt, nachdem sich diese Generation aus dem öffentlichen Leben und den politischen Tageskonflikten zurückgezogen hatte, ist sie als zentrale Akteurin in der Geschichtsschreibung zur Bundesrepublik wieder aufgetaucht. Es handele sich um »vermutlich die prägendste und einflussreichste Alterskohorte des 20. Jahrhunderts«[1], so heißt es beispielsweise, welche insbesondere die »für den Verwestlichungs- und Liberalisierungsprozess der Bundesrepublik wohl wichtigste Altergruppe«[2] darstelle. Als Kern der Fünfundvierziger werden jene dominanten »intellektuellen Wortführer«[3] identifiziert, denen es als »strategische Clique«[4] gelungen sei, in der Bundesrepublik eine zuvor und danach nicht mehr erreichte publizistische und wissenschaftliche Deutungsmacht zu erlangen.

In der  jüngeren Forschungsliteratur werden mit  dem Schlagwort der »Fünfundvierziger« gemeinhin jene Jahrgänge zu einer Generation zusammengefasst, die einerseits noch im Nationalsozialismus sozialisiert wurden, andererseits aber jung genug waren, um unbelastet in die junge westdeutsche
Republik hineinzuwachsen. […]

Anmerkungen:

[1] Ulrich Herbert, Liberali sierung als Lernprozeß. Die Bundesrepublik in der deutschen Geschichte, in: ders. (Hg.), Wandlungsprozesse in Westdeutschland. Belastung, Integration, Liberalisierung 1945–1980, Göttingen 2002, S. 7–49, hier S. 44. Daneben vgl. A. Dirk Moses, German Intellectuals and the Nazi Past, Cambridge 2007, S. 55 ff.

[2] Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, München 2009, S. 277.

[3] Franz-Werner Kersting u. a., Aufbrüche und Umbrüche, in: dies. (Hg.), Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik. Generationswechsel und intellektuelle Wortergreifungen in den späten 1950er und den 1960er Jahren, Stuttgart 2009, S. 7–18, hier S. 13.

[4] Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 1: Bundesrepublik Deutschland und DDR 1949–1990, München 2008, S. 189.

Seite ausdrucken Download als pdf

Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 0-2011 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2011